Marcel Reich-Ranicki, Peter Rühmkorf

Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf: Der Briefwechsel

Cover: Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf: Der Briefwechsel
Wallstein Verlag, Göttingen 2015
ISBN 9783835316201
Gebunden, 334 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Christoph Hilse und Stephan Opitz. 287 Briefe schrieben sich Peter Rühmkorf und Marcel Reich-Ranicki. 1973 übernahm Reich-Ranicki das Ressort Literatur und literarisches Leben in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und rief ein Jahr später die Frankfurter Anthologie ins Leben, die er bis zu seinem Tode betreute. Damit setzte er Maßstäbe im deutschsprachigen Feuilleton. Zu den ersten Autoren, die Reich-Ranicki für die Mitarbeit in der FAZ gewann, zählte Peter Rühmkorf - er lieferte von 1974 bis fast zu seinem Tod im Jahr 2008 zahlreiche Beiträge. Der Briefwechsel zeigt einen charmant-werbenden Feuilletonredakteur und einen talentierten, aber unzuverlässigen Dichter im Gespräch über Bücher ebenso wie die Politik der alten Bundesrepublik und ihren Wandel nach 1989. Wegen Reich-Ranickis Umgang mit dem Roman "Ein weites Feld" von Günter Grass kündigte Rühmkorf 1995 krachend die Arbeitsbeziehung, nach fünf Jahren versöhnten sich die beiden wieder - sie wussten, was sie voneinander halten sollten und wollten.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.07.2015

Marc Reichwein liest den Briefwechsel zwischen Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf mit Lust, wenngleich er auch einräumt, dass darin außer vordergründigen Formalien aus dem Literaturteilbetrieb (der FAZ) nichts, vor allem keine intellektuellen Diskussion, zu erwarten ist. Das sogenannte Kleine, Geschäftsmäßige zwischen Literaturpapst und Schriftsteller unterhält den Rezensenten allerdings vorzüglich - als mediengeschichtliche Dokumentation und Erinnerung an eine Zeit, als es so etwas wie eine literarische Öffentlichkeit noch gab, meint Reichwein wehmütig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.04.2015

Liebeswerben und Donnergrollen, Wehklagen und Erpressungen - aus den Federn von Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf liest Volker Breidecker das gerne. Wie sich der Schriftsteller und der Literaturchef der FAZ lieben und hassen, erfährt er aus den knapp 300 "vorbildlich edierten" Briefen der beiden aus den Jahren 1974-2006. Hinter dem unterhaltsamen Schattenboxen, den bösartigen, laut Breidecker mitunter musikalisch-poetisch gefassten Sticheleien ("Zeilenzähluhr"), dem Auftragsgeschäft und den Geldfragen spürt Breidecker das Machtgefälle zwischen den beiden, den Charme des Großkritikers sowie viel Unausgesprochenes, das die Korrespondenz für den Rezensenten in den Rang eines zeitgeschichtlichen Dokuments erhebt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.03.2015

Frank Schäfer hat sich offenbar gut amüsiert mit dieser Korrespondenz. Die Scharmützel und Liebesbezeugungen in der Beziehung zweier eitler Männer mag er als Einsatz und Mühe auf dem Feld der Literatur deuten. Menschenfreundlich scheint ihm immer wieder die Fehde zwischen dem Gönner und dem Dichter, die zwar auch Neuralgien ans Licht holt, wie Schäfer erkennt, zu Unverständnis und gar Zerwürfnis führt, aber letztlich doch vor allem zu guten Texten. Den Band findet Schäfer vorbildlich ediert und kommentiert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2015

Ulrich Greiner erinnert sich noch an den FAZ-Feuilleton der Siebziger unter Reich-Ranicki, der die herrschende Barriere zwischen Literatur und Kritik einriss und verschiedenen Schriftstellern und Dichtern Raum für Essays und Rezensionen und ein regelmäßiges Einkommen gab. Einer von ihnen war Peter Rühmkorf, der wenigstens einen Teil seines Ruhmes Reich-Ranicki schuldete, aber nicht bei diesem in der Schuld stehen wollte, schließlich sei seine Förderung nicht unverdient gewesen, berichtet der Rezensent. Nach langjähriger Zusammenarbeit und freundschaftlichen Tönen kam es schließlich zu einem Zerwürfnis, das einer vermeintlich politischen Entscheidung Reich-Ranickis geschuldet war, der die Interpretation eines Arno Schmidt Gedichts nicht abdrucken wollte, fasst Greiner zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015

Das ist ein Briefwechsel nach Hubert Spiegels Geschmack, Einblick gebend in zwei streitbare Literaturpäpste und ihre Beziehung, witzig, geistvoll, sprachlich brillant, wie Rezensent Spiegel versichert. Beginnend 1967, endend nach 287 Briefen mit Rühmkorfs Tod 2008, ist diese größtenteils geschäftliche Korrespondenz zwischen dem mächtigen FAZ-Literaturchef Marcel Reich-Ranicki und dem mit seinem Werk beschäftigten, zum Brotwerwerb Rezensionen schreibenden Peter Rühmkorf auch für nicht unbedingt literaturgeschäftsaffine Leser interessant, wie Spiegel versichert. Wieso? Weil so (über Literatur) heute gar nicht mehr geschrieben wird, meint er.
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