Die in diesem Band versammelten Essays streunen in Herkünften und Träumen, durch vergessene und vollkommen neue Gefilde. Lilian Peter spannt weite und feine Bögen: vom Spielen als Kind im Haus der Großmutter zu Thomas Mann'schen Familienkonstellationen, von Momenten der Flugangst zur Geschichte der Lufthansa, von der Kulturgeschichte des Verbeugens zum Murmeln der tausend Dörfer, aus denen Tokyo besteht… Eine Poesie und Poetik, die Zuschreibungen an "Weiblichkeit" konsequent umzudeuten und in ein literarisches Programm der Zukunft zu verwandeln vermag. Denn entgegen des ihm gegenwärtig zugewiesenen Schattendaseins ist der Essay die freieste und offenste literarische Form. Er kann und darf alles: Erzählen, Denken, Sammeln, Lesen, Dichten... Gerade in seiner Unvorhersehbarkeit entfaltet er all seine Kraft.
Rezensent Enno Stahl ist sich sicher, dass Lilian Peter den Geist und Esprit besitzt, um die Essay-Gattung zu meistern. In ihrem Debüt-Band "Mutter geht aus" versammelt die Autorin verdichtete, poetische Essays, die sich mit Weiblichkeit und der Rolle der Frau in Kultur-, Literatur- und Geistesgeschichte auseinandersetzen, erklärt Stahl. Konsistente Argumentationen finden sich hier zwar nicht, aber dem Rezensenten zufolge geht es in den Texten sowieso nicht um das systematische Ausbauen von Gedanken, sondern um das kunstvoll poetische, "geistige Flanieren" um Gegenstände und Beziehungen herum. Bei aller eleganten Stilsicherheit wirken die Essays etwas eingleisig, räumt der Rezensent ein, doch wer sich nicht genug mit dem Bild der Frau auseinandersetzen kann, ist hier richtig.
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