Claudia Schumacher

Liebe ist gewaltig

Roman
Cover: Liebe ist gewaltig
dtv, München 2022
ISBN 9783423290159
Gebunden, 376 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Von Gewalt, von Zärtlichkeit und von der Macht der Befreiung. Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf: Die Eltern sind Rechtsanwälte, sie ist Klassenbeste. Doch in der Kleinstadtvilla herrscht das Grauen. Der Vater drillt die Kinder auf Leistung, prügelt sie und seine Frau. Juli wird älter, fordert ein Ende der Gewalt, deren Realität von der Mutter vehement abgestritten wird. Einzig ihre Geschwister und eine Maus geben Halt. Doch wie kann man sich befreien, wenn man weder den Eltern noch den eigenen Erinnerungen traut? Die Befreiung gerät zum Feldzug - gegen die Eltern und das eigene Ich. Drei Jahrzehnte folgen wir Juli, die mit aller Macht versucht, die Deutungshoheit über ihr Leben zu erlangen. Ein Roman über Verletzungen und eine mögliche Heilung, voller Originalität und Wärme.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.07.2022

Rezensentin Sophia Zessnik ist tief beeindruckt von Claudia Schumachers Roman. Er erzählt in drei zeitlichen Abschnitten von häuslichem Missbrauch und seinen Folgen: Die junge Juli, Tochter der Stuttgarter Vorzeigefamilie Ehre und zu Anfang des Romans noch 17, wird von ihrem tyrannischen Vater geschlagen; die Mutter nimmt es hin, der Onkel (Arzt) besorgt Pillen und Krankschreibungen. Wie Schumacher von Julis Leiden erzählt und von ihrem Ausbruchsversuch durch ein Studium in Berlin, wo sie sich aber mit einem Abbild ihres Vaters einlässt, findet die Kritikerin "brutal und herzzerreißend". Den "messerscharfen" Beschreibungen der gut situierten Familie Ehre merkt sie außerdem an, wie gut die Autorin sich gesellschaftlich auskenne. Nur den letzten der drei Romanabschnitte, in dem zur Perspektive von Julis neuem Peiniger gewechselt wird, findet Zessnik zwar erzählerisch gewitzt, aber dennoch etwas unausgereift - zumindest im Vergleich zu den beiden anderen, sehr überzeugenden Romanteilen, schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.06.2022

Rezensentin Petra Pluwatsch warnt vor Szenen der Gewalt in Claudia Schumachers Debütroman über die Mechanismen und die Folgen häuslicher Gewalt. Die Geschichte der Protagonistin, die im Teenageralter Opfer eines gewaltbereiten Vaters wird, erzählt die Autorin laut Pluwatsch über drei Lebensabschnitte der Figur hinweg mit je eigenem, überzeugendem Erzählton. "Bange" folgt die Rezensentin der Geschichte bis ins Jahr 2016. Lohnende Lektüre, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.05.2022

Rezensent Rainer Moritz hat Claudia Schumachers Debütroman "Liebe ist gewaltig" gut gefallen. Die Journalistin lässt in drei Kapiteln die unzuverlässige, voreingenommene Ich-Erzählerin Juli Ehre erzählen, wie sie ihr chaotisches und verkorkstes Leben in den Griff zu bekommen versucht, erklärt Moritz. Das ist dem Rezensenten zufolge von Beginn an provokativ, souverän und originell und vor allem die Sprache wirkt stets kraftvoll im Kontrast zur verletzlichen Erzählerin. Hier liest man ein gelungenes, überzeugendes Debüt, das tiefe Gefühle aufgreift, schließt Moritz.

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