Fragt man Menschen in Israel heute, ob sie den Zionisten Davis Trietsch kennen, erntet man fast immer ein Kopfschütteln. Trietsch blieb ein Platz im zionistischen Pantheon verwehrt, dabei war er seinerzeit ein über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannter Frühzionist, dessen streitbares Naturell wiederholt für Aufsehen sorgte. Wer war dieser eigensinnige Wegbereiter für viele visionäre Formen im Zionismus, die Israel zum Teil bis heute prägen? Anders als in einer klassischen Biografie beleuchtet Lisa Sophie Gebhard in dieser Studie mehrere Lebensthemen in einem größeren zeitgeschichtlichen Kontext, wie etwa Trietschs ambitionierte Raumvorstellungen in Bezug auf Palästina sowie seine Pläne zur technischen Erschließung des Landes. Die Analyse US-amerikanischer Einflüsse auf den Frühzionismus in Form eines transatlantischen Wissenstransfers, für den Trietsch eine ebenso herausragende wie übersehene Rolle spielte, bildet einen besonderen Schwerpunkt. So entsteht ein lebendiges, vielverzweigtes Bild nicht nur von der Person Davis Trietsch, sondern auch des transnationalen Raums, aus dem heraus er und andere Zionisten agierten.
Rezensent Klaus Hillenbrand liest Lisa Sophie Gebhards Biografie über den Zionisten und Erfinder Davis Trietsch mit Interesse. Der Autorin gelingt es laut Rezensent nicht nur, Trietsch dem Vergessen zu entreißen, sie hat auch Sinn für die mitunter spleenig wirkenden Ideen des Mannes. Den "Sonnenmotor" erdachte Trietsch schon lange vor der Energiekrise, ebenso einen jüdischen Staat in Palästina, was ihm nicht nur Freunde einbrachte, nicht mal unter Zionisten. Facetten- und kenntnisreich, so Hillenbrand.
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