Herausgegeben von Klaus-Michael Bogdal, Klaus Holz und Matthias N. Lorenz. "Walser-Debatten" und "Grass-Geständnis" belegen es: die Öffentlichkeit ist hellhörig, wenn es um Antisemitismus-Verdacht in der Literatur geht. Jetzt ist auch die Literaturwissenschaft aufgefordert, gezielt Judenbilder und deren Verwendung in der deutschsprachigen Literatur seit 1945 zu untersuchen. Dabei geht es nicht um eine kriminalistische "Überführung" von Schriftstellern, sondern um die Funktion und Verwendung ihrer Texte in einem Diskurs, der das Literarische überschreitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2008
Positiv bespricht Benjamin Unger diesen von Klaus-Michael Bogdal herausgegebenen Sammelband über Literarischen Antisemitismus nach 1945. Der Band vermittelt ihm einen Eindruck des aktuellen Stands in einem noch recht jungen Forschungsgebiet. Überzeugend verdeutlichen die Beiträge seines Erachtens an verschiedenen Texten und Autoren den problematischen Umgang mit (anti-)jüdischen Klischees. Behandelt werden unter anderem die Kontroversen um Rainer Werner Fassbinders Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod", unterschiedliche Interpretationen des Shylock in Shakespeares "Kaufmann von Venedig", die Debatten um Günter Grass und Martin Walser. "Sinnvoll" findet Unger den Ansatz des Bands, dem literarischen Antisemitismus durch individuelle Textanalyse auf die Spur zu kommen. Sein Fazit: "Der Band bietet mit seinem breiten Themen- und Diskursspektrum vielfältige Aufschlüsse über eine durch Literatur geprägte Erinnerungspolitik."
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