Aus dem Italienischen von Klaudia Ruschkowski. Das ländliche Sizilien in den 1920-30er Jahren. Der Kampf ums Überleben hat Massen von Arbeitern und Bauern in die Emigration getrieben. Zurückgeblieben ist ein erstarrtes Land unter der Allmacht der Feudalbesitzer und der Mafia: Casimiro Badalamenti, ein Mafioso unteren Rangs, Besitzer eines Weinbergs mit schwarzen Trauben, einer Rarität für die Gegend, ist nach einer obskuren Bluttat gezwungen, seinen Heimatort zu verlassen. Er reitet von Giardinello, seinem Heimatort in den Hügeln, hinab nach Cinisi, wo er sich bei Concetta, donna malfamata, ein "Fleischblock aus Marmor" einnistet. Ein ungleicher Tanz der Inbesitznahme des anderen beginnt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2025
Rezensent Andreas Rossmann hält die Einschätzungen, mit denen der Verlag Livia De Stefanis Mafia-Roman von 1953 in der Übersetzung von Klaudia Ruschkowski bewirbt für übertrieben. Weder kann er in dem Buch einen Klassiker erkennen noch anspruchsvolle Literatur. Die Geschichte um einen "skrupellosen Emporkömmling", dessen Vater und Bruder Opfer der Mafia wurden, erzählt die Autorin laut Rossmann zwar mit Sinn für die dunklen Seiten Siziliens, allerdings auch mit Kitsch und Klischees, Pathos und konstruiert wirkender Handlung, in der die Figuren keine Tiefe gewinnen. Was der Text an Wissen über die Mafia transportiert ist leichte Fracht, findet Rossmann, und nicht vergleichbar mit Leonardo Sciascia.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.09.2025
Rezensent Sandro Mattioli erinnert daran, dass Livia de Stefani schon 1953 einen der ersten Mafia-Romane veröffentlichte - lange bevor ihre männlichen Kollegen das Feld für sich in Anspruch nahmen. Die Tochter einer sizilianischen Großgrundbesitzerfamilie entwirft darin den Urtypus der Mafia-Familiensaga, nüchtern erzählt und "ohne Zurückhaltung". Statt das Geschäftliche auszuleuchten, zeigt sie die gnadenlose Härte im Inneren: Casimiro Badalamenti ist ein Mann "aus dem Mittelbau der Mafia", der Gewalt bis ins Familienleben trägt, resümiert Mattioli. Besonders verstörend ist beispielsweise, wenn der Mafiosi seinen eigenen Sohn in Ketten legt oder de Stefani ein inzestuöses Verhältnis unter Geschwistern beschreibt. Mattioli lobt die "eindringliche Sprache" und die starke Figur der Concetta, die dem Patriarchen Widerstand entgegensetzt. Gleichzeitig wundert er sich, warum de Stefani so lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen stand - völlig zu Unrecht, wenn man dieses Werk wieder aufblättert, staunt der Kritiker.
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