Aus dem Französischen von Cornelia Wend. In einer Hafenstadt im Nordwesten Frankreichs hat der rechtsradikale Patriotische Block die Macht übernommen. Der Polizeiapparat wird ausgebaut und militarisiert. Doch weder Ruhe noch Ordnung kehren ein, im Gegenteil: Nahe der Sozialbau-Siedlung "800" wird Capitaine Mokrane Méguelati von der Terrorabwehr, der als Einziger Informationen über ein bevorstehendes Attentat hat, als vermeintlicher islamistischer Terrorist von einem Streifenpolizisten getötet. Der Schnellschuss hat fatale Folgen, denn nun weiß niemand, wo und wie der geplante Anschlag durchgeführt werden soll.Auch am Berufsgymnasium "Charles Tillon" ist die Stimmung angespannt, obwohl sich ein engagierter Lehrer und eine Jugendbuchautorin um Kontakt zu den Schülern bemühen und für Toleranz und ein friedliches Miteinander plädieren. Doch auch diese Idealisten sind angeschlagen. Die Jugendlichen wiederum tragen lieber die sozialen und ideologischen Konflikte der Gesellschaft im Kleinen aus, statt Romane zu lesen.Als die Bombenwarnung die Schule erreicht, muss sich die Klasse verbarrikadieren. Die Polizei durchkämmt fieberhaft die Stadt - doch wer hätte ahnen können, was ein junges Mädchen mit alldem zu tun hat, eine Schülerin, die zu allem bereit ist, damit das Leben noch einen Sinn hat?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2025
Eine rasante, packende Lektüre hält Jérôme Leroy für Rezensent Jan Wiele bereit: Der hard-boiled-Plot ist in einem Wohnhaus namens "Die 800" in der Nähe einer französischen Hafenstadt angesiedelt und er kommt laut Wiele schnell in Schwung, kinotaugliche Splattereien inklusive. Als erstes dran glauben muss ein Mann namens Mokrane Méguelati, der von rassistischen Polizisten erschossen wird, aber Informationen über einen geplanten Anschlag hatte, der nun vereitelt werden muss. Das Personal rekrutiert sich, beschreibt Wiele weiter, unter anderem aus Junkies, Islamisten, einem Lehrer mit überdrehter Libido, einer mit satirischer Schärfe gezeichneten Jugendbuchautorin und der titelgebenden letzten Französin, die zunächst eine eher kleine Rolle in der Geschichte spielt. Gut gebaut ist das alles und mit ziemlich viel linkem Elan geschrieben, resümiert der Rezensent, der freilich auch eine gewisse Nähe zu Houellebecq sieht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.05.2025
Rezensent Thomas Wörtche bekommt "Lesevergnügen pur" mit Jerome Leroys aus dem Jahr 2018 stammenden Kurzroman über das alltägliche Chaos und den zunehmenden Irrsinn in einer französischen Hafenstadt, in der der Rassismus tobt. Wörtche begeistert vor allem der sarkastisch-makabre Ton, mit dem der Autor über die französische Rechte und Islamophobie schreibt, und Leroys schwarzer Humor. Kurz, maliziös, böse - ein echter Leroy, findet Wörtche, dem angesichts der Wirklichkeit nur manchmal beim Lesen das Lachen gefriert.
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