Aus dem Amerikanischen von Ursula Sturm. Lebhafte intellektuelle Debatten und rege Gruppendynamik in einer amerikanischen Universitätsstadt der siebziger Jahre: Ilka Weissnix hat - nach ihrer Emigration aus Österreich - eine neue Seite in ihrem Leben aufgeschlagen und versucht sich in einem wissenschaftlichen Institut, in dem naturgemäß auch allzu Profanes seinen Platz beansprucht, zurechtzufinden: Lore Segal wirft in sieben lakonisch erzählten Short Stories voll feiner Ironie ihren präzisen Blick auf Zwischenmenschliches.
Sehr wohlwollend nimmt Rezensentin Margret Nitsche Lore Segals Erzählband "Die dünne Schicht Geborgenheit" auf. Die zunächst im "New Yorker" erschienenen Kurzgeschichten ranken sich, so die Rezensentin, um das Thema des Flüchtlingsschicksals und der Verlorenheit in der Fremde, und begleiten die junge Lehrerin Ilka, die wie die Autorin als Kind vor den Nazis aus Wien flüchten musste, in verschiedenen Pflegefamilien aufwuchs und ihr Leben nun in den Vereinigten Staaten bestreitet, ständig befangen durch ihr tief verwurzeltes Gefühl der Fremdheit. Der Leser begegne Ilka nach ihrem Umzug aus New York an die Universität Concordance, deren von sinnlosen und etwas lächerlichen Eitelkeiten geprägter Alltag zwar einen lichten Kontrapunkt zur dunklen Vergangenheit darstellt, die das Gefühl, sich "unter einer Glasglocke" zu bewegen, jedoch nicht zu heilen vermag. Sehr gefallen hat der Rezensentin, mit welch knapper, analytischer, und dennoch nicht kalter Präzision Segal die Erfahrung des Flüchtlingsschicksals deutlich macht und zeigt, wie grundlegend die im Kindesalter eingebüßte Geborgenheit einen Menschen verunsichert, und ihm höchstens noch erlaubt, sich eine stets gefährdete und doch lebensnotwendige "dünne Schicht Geborgenheit" herzustellen.
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