Im November 1918 endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch das Deutsche Kaiserreich. Innerhalb weniger Tage entsagten sämtliche deutsche Bundesfürsten, darunter jahrhundertealte Dynastien wie die Hohenzollern, die Wettiner oder die Wittelsbacher, der Macht und überließen das Feld widerstandslos den Novemberrevolutionären. Nicht nur der Kaiser und preußische König Wilhelm II., sondern auch drei weitere Könige und die Regenten der zahllosen deutschen Fürstenhäuser dankten über Nacht ab, ein in der Geschichte einzigartiges Phänomen. Der Bremer Historiker Lothar Machtan hat sich seit vielen Jahren intensiv mit diesem spektakulären Vorgang, seiner Vorgeschichte und seinem Nachhall beschäftigt. Er hat in den einschlägigen Archiven der Fürstenhäuser völlig unbekanntes Material gefunden, darunter Briefe, Tagebücher und Aufzeichnungen aller Art. Wie ein ferner Spiegel reflektieren diese Quellen die Ängste und Nöte der blaublütigen Protagonisten, aber auch ihre Naivität und Ignoranz gegenüber den dramatischen gesellschaftlichen Umwälzungen im Gefolge des Krieges. So zeigt sich die Zäsur von 1918 in neuer Perspektive: Revolution als Fürstendämmerung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2008
Gerd Krumeich findet dieses Buch über das Ende der Monarchie in Deutschland von der Ausgangsfrage über die Auswertung der Quellen bis zur Lesbarkeit der Darstellung schlechterdings brillant. Zunächst einmal hebt der vollkommen begeisterte Rezensent, selbst Historiker der Neueren Geschichte in Düsseldorf, die genauso einfache wie bestechende Ausgangsfrage des Buches hervor, nämlich warum die Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg so sang- und klanglos abgedankt hat. Desweiteren stellt der Autor die völlige "Verantwortungslosigkeit" und das Desinteresse der gekrönten Häupter im Krieg dar, was in den Augen Krumeichs tatsächlich für den Verlauf der Geschichte neue Erkenntnisse bringt. Zudem sei das Buch äußerst amüsant zu lesen, nicht nur, wenn der Autor "genüsslich" den Pomp der Herrscherhäuser in der Vorkriegszeit schildere. Alles in allem ein hervorragendes Buch, das sich nicht zuletzt auch als Weihnachtsgeschenk anbietet, wie Krumeich vorschlägt.
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