Auch heute noch sind Söhne in der Regel viel stärker an die Mutter gebunden als an den Vater. Zu ihm herrscht häufig eine merkwürdige emotionale Distanz, die sich nicht alleine mit der beruflich oder durch elterliche Trennung bedingten geringeren physischen Präsenz der Väter erklären lässt. Väter sind häufig auch seelisch abwesend, für die Söhne nicht greifbar. Und sie erzeugen damit in den Söhnen eine heftige Sehnsucht, die oft das ganze spätere Leben des erwachsenen Mannes prägt. Schon beschreibt die Vater-Sohn-Beziehung von der Geburt bis zum Erwachsenenalter des Sohnes, erklärt dabei die verschiedenen Entwicklungsstadien und führt in zentrale Begriffe wie primäre Väterlichkeit, Triangulierung und Ödipuskomplex ein. Wie mit vielem im Leben, so ist es auch mit dem Vater: Man entdeckt seine zentrale Bedeutung erst dann, wenn er nicht bzw. nicht mehr da ist. Der Autor hat daher "vaterlose" Jungen und erwachsene Männer interviewt und diese authentischen Gespräche elegant in den Text eingewebt, was seiner Darstellung zu einer hohen Anschaulichkeit verhilft.
Tilman Moser, selbst Schriftsteller und Analytiker, stellt ein tiefenpsychologisch orientiertes Buch vor, das durch Interviews und in gründlich recherchierten Einzelfällen (statt Reihenbefragung und Statistiken) dem Gefühl des Vaterverlustes nachspürt. Seine Befunde: zunächst mal kommt es darauf an, wie oder warum der Vater ausfällt. Ein toter Vater lässt sich idealisieren, resümiert Moser, während der noch lebende, aber im Streit geschiedene Vater im Kind große Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle auslöse. Häufiger vermittelten auch die Mütter ein negatives Vaterbild, je nachdem wie sie in der Beziehung gelitten hätten, in jedem Fall sei ihr Männerbild entscheidend für den Umgang mit dem Verlust. Dieser könne ebenfalls eher aufgefangen werden, wenn eine andere männliche Vertrauensperson erreichbar sei. Las sich das Buch für Moser über die ersten hundert Seiten etwas umständlich, da der Autor zuviel andere Autoren referiert, gewinnt das Buch für den Rezensenten schließlich bei den Fallgeschichten, die sachkundig und einfühlsam geschildert seien.
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