Kleine und größere Skandale und Affären erschüttern immer wieder das Land, ob in der Politik, im Sport, im Film-, Fernseh- und Showbusiness, in den Medien oder in der Wirtschaft. Verändert hat sich allerdings der Umgang damit. Heute wird, verstärkt durch das Internet und die Dauerbeobachtung durch die neuen Medien, jede Kleinigkeit skandalisiert. Journalisten, Staatsanwälte und selbst erklärte Aufklärer machen gnadenlos Jagd auf mögliche Verdächtige, jeden Verantwortlichen und halbwegs Prominenten kann es jederzeit treffen. Chancen, dem ständigen Sturm der Empörung zu entkommen, haben sie kaum. Ludwig Greven beschreibt anhand zahlreicher Beispiele, wie sich die Skandale verändert haben, wie heute die allgegenwärtige Erregungsmaschinerie funktioniert und welche Gründe dafür maßgeblich sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2015
So ganz traut Kim Björn Becker dem Autor nicht über den Weg, wenn der gegen die Sensationspresse wettert. Dass Ludwig Greven als Redakteur bei der "Zeit" selbst daran beteiligt war und ist, kommt im Buch zu wenig rüber, kritisiert er. Wenn der Autor nach Verbindungen zwischen und den großen Fragen hinter den Skandalen der letzten Jahre sucht, von Plagiatsaffären über Kinderpornoskandale bis zu Karl-Theodor zu Guttenberg, vermisst Becker die eigene tiefer gehende Analyse. Auch wenn dem Autor die Rekonstruktion der Fälle gelingt, ein Rekurs auf den Funktionalismus bei der Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Skandalen erscheint dem Rezensenten als alter Hut.
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