Ludwig Laher

Herzfleischentartung

Roman
Cover: Herzfleischentartung
Haymon Verlag, Innsbruck 2001
ISBN 9783852183466
Gebunden, 176 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Im Jahr 1940 errichtet die SA im Innviertler Dorf St. Pantaleon ein "Arbeitserziehungslager" und nach dessen überhasteter Schließung 1941 ein "Zigeuneranhaltelager". Hunderte willkürlich Inhaftierte werden dort gequält, etliche umgebracht. Lagerarzt ist der dazu genötigte Gemeindedoktor. Lange Zeit konstatiert er irgendwelche harmlose Todesursachen (die "Herzfleischentartung" bei einer Zigeunerin ist allerdings nicht seine Erfindung). Eines Tages aber schaltet er die Staatsanwaltschaft ein. Die Aktenbestände der damit ausgelösten Untersuchung - den Prozeß schließlich hat der Führer höchstpersönlich niedergeschlagen - sind erhalten. Sie waren für Ludwig Laher die Grundlage seiner literarischen Arbeit, die sich im Ton zum Teil der Sprache und Logik der Mörder bedient, gleichzeitig aber einen kollektiven Erzähler einführt und diesen das Unerhörte einmal vom zeitgenössischen Standpunkt, dann wieder vom heutigen aus begleiten lässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2001

Der Erzähler wünscht nicht für naiv gehalten zu werden, schreibt Walter Hinck und meint damit die "übertriebene Lockerheit", mit der sich der Autor manchmal an den Leser wende. Der Roman ist gestützt auf Tausende von Akten und erzählt die Geschichte eines NS-Arbeitslagers in Oberösterreich. Das Buch lässt aus Akten Figuren entstehen, lobt der Rezensent. Es sei keine bloße Dokumentation, aber auch kein Roman im üblichen Begriffsverständnis. Vielmehr vermittle er Zeitgeschichte wie auch Mentalitätsgeschichte. Der Autor erzählt seinen Bericht als "sprachliche Satire", und obwohl der Rezensent dies nicht ausdrücklich äußert, hat man den Eindruck das es ihm gefällt. Einzig die erzwungene Tuchfühlung mit dem Leser ist ihm nicht angenehm.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2001

Christiane Zintzen fühlt sich bei diesem Roman über ein 'Zigeuneranhaltelager' in Österreich, das während des Nationalsozialismus zu einem 'Arbeitsumerziehungslager' umfunktioniert wurde, an ein Radio-Feature erinnert. Dies liegt wohl daran, dass der Autor für die Recherchen zahlreiche Zeugenaussagen, Archivmaterial und Obduktionsbefunde hinzugezogen hat und nun in seinem Roman Erzählung mit "Originalton und Hörbild" zusammen bringt. Auch die Melodik der Sprache passt nach Zintzen gut dazu, die ihrer Ansicht nach große Nähe zur gesprochenen Sprache zeigt. Die Rezensentin hält dieses Buch insgesamt für einen "klugen Roman". Lediglich die Tatsache, dass der Autor bisweilen durchblicken lässt, dass er selbst "auf der richtigen Seite der Geschichtsbetrachtung" steht, findet Zintzen etwas zu didaktisch, um nicht zu sagen: überflüssig. Doch insgesamt beurteilt sie dieses Buch des "zeitgeschichtlichen Cicerone" Laher durchaus mit großem Wohlwollen.
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