Kagraner geht leidenschaftlich gern ins Kaffeehaus und genießt seinen Mokka - wenn er nicht gerade mit seiner Ehefrau im Clinch liegt, denn dann bevorzugt er Cognac. Redselig ist er allemal, da kommt ihm der stille Herr im Stammcafé sehr gelegen. Dieser wird zum geduldigen Zuhörer, und bald lassen ihn die Episoden des skurrilen Monomanen nicht mehr los: Was hat sich Kagraner da nur für eine Frau ausgesucht? Und was hat es mit dem vermissten Freund auf sich, was mit der ominösen Aktentasche? Parallelen zu seinem eigenen Leben tauchen auf und die Fragen verdichten sich. Da ist Kagraner von einem Tag auf den anderen verschwunden...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2016
Rezensent Oliver Pfohlmann amüsiert und unterhält sich prächtig mit dem raffinierten, doppelbödig ironischen Kaffeehaus-Roman von Gustav Ernst. Der namenlose Ich-Erzähler und sein mysteriöser, immer wieder am Kaffehaustisch auftauchende Gesprächspartner haben es ihm angetan. Letzterer platzt laut Pfohlmann schier vor skurrilen, intimen, existenziellen und gern auch banalen Geschichten, die er seinem Gegenüber auftischt. Oder dem Leser? Der nämlich fühlt und denkt ganz ähnlich wie der Ich-Erzähler beim Zuhören, meint Pfohlmann. Die abgründige Dynamik, die der Text in diesem Dreieck aus Leser, Ich-Erzähler und geheimnisvollem Dritten entwickelt, findet der Rezensent höchst vergnüglich.
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