Ludwig Wittgenstein

Philosophische Untersuchungen

Kritisch-genetische Edition
Cover: Philosophische Untersuchungen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518583128
Gebunden, 900 Seiten, 101,24 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Joachim Schulte, in Zusammenarbeit mit Heikki Nijman, Eike von Savigny und Georg Henrik von Wright. Obwohl der späte Wittgenstein kein Buch veröffentlichte, widmete er den größten Teil seiner Zeit der Arbeit an einer Gesamtdarstellung seines Denkens. Dabei verfolgte er, wie er in einem Vorwortentwurf schrieb, von Anfang an die Absicht, "alles dies einmal zu einem Buch zusammenzufassen". Das Ergebnis waren nach Wittgensteins eigenem Urteil "eine Menge von Landschaftsskizzen", ein "Album". Dieses "Album" waren die zwei Jahre nach Wittgensteins Tod herausgegebenen "Philosophischen Untersuchungen", die sofort als großer Wurf erkannt wurden und seitdem als eines der bedeutendsten philosophischen und zugleich literarisch beeindruckenden Werke des 20. Jahrhunderts gelten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.12.2001

In der Bearbeitung der "Philosophischen Untersuchungen" geht der Herausgeber Joachim Schulte, der bereits vor 10 Jahren eine "kritisch-genetische Edition" des "Tractatus Logico-Philosophicus" besorgt hat, selektiv vor. Laut David Lauer erlaubt dieser editorische Eingriff eine handlichere und doch spannende Lektüre dieser Veröffentlichung, die allgemein als das "zweite" Buch Wittgensteins und seine Antwort auf sein erstes, den "Tractatus" gilt. Die "Untersuchungen" sind hier in allen fünf Fassungen abgedruckt. Schulte hat aber, erklärt Lauer das Editionsprinzip, die vielen Querverweise und Überschneidungen sortiert - manche einsortiert, andere aussortiert - und präsentiere sie außerordentlich übersichtlich. Dennoch stößt für ihn dieses Verfahren an seine Grenzen, wenn man dem von Schulte freigeschlagenen Hauptpfad durch den Be- und Anmerkungsdschungel nicht mehr folgen will, sondern lieber Wittgensteins Stör- und Ablenkungsmanövern nachgehen würde. Immerhin habe Schulte die Abzweigungen vermerkt, lobt Lauer. Nachschlagen muss man sie dann woanders.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2001

Mindestens zweierlei verdankt Thorsten Jantschek der Lektüre dieser kritisch-genetischen Edition des Wittgensteinschen Hauptwerks, der Dokumentation der Ur- sowie der Früh- und Zwischenfassungen bis hin zum vollendeten Werk: Die Ahnung davon, wie verschieden die Vorstellungen Wittgensteins von diesem Buch zu verschiedenen Zeiten waren, und die Erkenntnis, "dass genau an der Stelle, wo der philosophische Wanderer der Frühfassung den Weg in die Grundlagen der Mathematik nahm, der späte Reisende die Richtung in die sprach- und bedeutungstheoretischen Gefilde des Regelfolgens" einschlug. Insbesondre die Stadien dieses Denkwegs sind es, die sich Jantschek über die vorliegende Ausgabe der "Untersuchungen" erschließen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2001

Erst scheint er ein wenig enttäuscht, unser Rezensent, dass die Herausgeber dem Wunsch Wittgensteins, sein zweites Hauptwerk, die Philosophischen Untersuchungen, nur zusammen mit der "Logisch-philosophischen Abhandlung" zu publizieren, nicht entsprechen. Dann aber zeigt sich Matthias Kross doch sehr angetan von der Edition, von der Art der Kommentierung und der Verweisstruktur innerhalb des Bandes, wie auch von dem gewählten Fokus auf die Entstehungsgeschichte des Textes. Der Leser, erklärt er, könne so die über einen Zeitraum von mehr als fünfzehn Jahren entstandenen (z.T. erstmals veröffentlichten) Fassungen miteinander vergleichen. Dem Rezensenten hat sich dadurch "die verblüffende Brillanz des Wittgensteinschen Denkens, aber auch die Härte der Arbeit an einzelnen Formulierungen" erschlossen, die "Verfertigung des Gedankens," der, wie Kross zu verstehen gibt, bei Wittgenstein in "Bemerkungen von größter gedanklicher und sprachlich-stilistischer Schönheit" mündet.

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