"Alle Geschichtsschreibung ist Rekonstruktion und ist damit auch immer gegenwärtige Interpretation von Vergangenheit auf der Grundlage von Fragen und Quellen. Doch wer interpretiert, beansprucht auch Deutungsmacht über Vergangenes, indem er sich zugleich an Erwartetem orientiert. Daher ist auch Technikgeschichte ? ebenso wie Naturwissenschaftsgeschichte oder Medizingeschichte ? in diesem Sinne politisch" (Werner Conze). Lassen sich solche Erwartungen und Einflüsse während der dreißig Jahre nach der Niederlage von 1945 auffinden, in welchem Kontext traten sie auf? Wer waren die Protagonisten und auf welche Widerstände traf die Etablierung des akademischen Faches Technikgeschichte in Ost wie West? Das vorliegende Buch zeichnet die unterschiedlichen wissenschaftspolitischen und ideologischen Entstehungskontexte nach, im Osten ebenso wie im Westen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2001
Die Technikgeschichte hat langen keinen rechten Ort gehabt im Zusammenhang allgemeiner Geschichtsschreibung. Die Historiker fühlten sich erhaben über technische Zusammenhänge, denunzierten sie als "materialistisch". Die Ingenieure selbst dagegen neigten sehr zur Erzählung einer "heroisierenden Geschichte", die mitunter gar auf Aufforderungen zum Imperialismus hinauslief. Drei Tendenzen gab es unter Historikern, wie der Rezensent Dirk van Laak referiert: Entwicklungsgeschichte der Technik, ihre Verortung in der Kulturgeschichte und eine "idealistische Geistes- und Ideengeschichte der Technik". In der Bundesrepublik dominierte nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit die zweite davon. In der DDR wurde die Technik vor allem unter "politökonomischen" Gesichtspunkten behandelt, wie der Leser erfährt. Der Band, so van Laak, taugt als "umfassendes Handbuch", dem insbesondere die Verbindung der Darstellung von bundesrepublikanischen und DDR-Verhältnissen gelingt. Störend findet er allerdings allzu viele Wiederholungen und auch Fehler, auf die er aber nicht näher eingeht.
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