Dissertation. Wie gehen Jugendliche mit Rassismuserfahrungen und Zugehörigkeitsfragen um und wie kommunizieren sie über Formen von Alltagsrassismus mit den sie betreuenden PädagogInnen? Erstmals wird in einer qualitativ-empirischen Untersuchung das Vorhandensein "Interkultureller Kompetenzen" in der ambulanten Jugendhilfe untersucht. Neben der Präsentation von Neuerungen in der Rassismustheorie und einer Analyse aktueller Studien zu Rassismus und Rechtsextremismus wurden sieben männliche Jugendliche mit "Immigrationshintergrund" und sieben PädagogInnen jeweils in Einzelinterviews und einem Paarinterview befragt. Vor dem Hintergrund migrationssensibler und rassismuskritischer Konzepte sowie der Analyse professioneller Standards in der Sozialen Arbeit erfolgt die Analyse der Handlungspraxen der PädagogInnen und werden Empfehlungen für die Ausbildung und Praxis in der Sozialen Arbeit entwickelt.
Bestürzt zeigt sich Rezensent Mark Terkessidis von dieser Untersuchung über Rassismus in der Jugendhilfe, die der Pädagoge Claus Melter vorgelegt hat. Auf Grundlage von Interviews mit Jugendlichen und Jugendhelfern führe der Autor vor Augen, dass die Erfahrungen von Diskriminierungen in der Beratungspraxis systematisch ausgeblendet oder gar geleugnet werden. Deutlich werde auch, wie wenig Einfühlungsvermögen die Pädagogen in diesem Punkt haben. Terkessidis bescheinigt dem Autor, zu zeigen, wie sehr Vorurteile und die Perspektive der Bevölkerungsmehrheit die Beratungspraxis bestimmen. Das gehe so weit, das Melter schließlich dazu komme, diese Praxis selbst als "institutionellen Rassismus" zu bezeichnen.
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