Als Kinder sind Marie und Renate unzertrennlich. In einer Familie, die geprägt ist von Verlust und Misstrauen, schafft Renate für ihre Schwester eine eigene Welt aus der Sehnsucht nach Unversehrtheit und Glück. Doch dann, Jahre später, tritt Paul in das Leben der Mädchen und spaltet ihre vermeintliche Einheit. Von beiden umworben, entscheidet er sich für Marie und plötzlich kippt die liebende Fürsorge Renates in Hass und subtil tobenden Zorn. Je tiefer der Graben zwischen den Frauen wird, umso gefährlicher verzerrt sich Renates Blick auf die Welt. Sie heftet sich dem Paar an die Fersen, verfolgt ihre Schwester, überwacht sie zuerst aus der Distanz, rückt dann aber unaufhaltsam näher bis zur letzten Konsequenz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2010
Die Experimentierfreude der Autorin in Ehren, aber was Lydia Mischkulnig hier zusammengebraut hat, überzeugt Sabine Doering weder als der im Klappentext angekündigte Thriller noch als psychologische Fallstudie. Schuld daran ist laut Doering vor allem die Erzählerfigur, eine Frau aus prekärsten Verhältnissen, die der Rezensentin sowohl mit ihrer Selbstdiagnose als auch mit ihrer Selbsttherapie völlig überfordert erscheint. Doering schildert das als erzählerisches Problem, nicht als Problem der Figur. Es fehlt also eine souveräne Instanz, die dem Text verlässlich Tiefenschärfe verleiht. So gerät die als nüchterner Alltagsbericht beginnende Geschichte in den Augen der Rezensentin immer mehr zum finsteren Albtraum, weniger für die Figur, als für den Leser.
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