Lydia Mischkulnig

Umarmung

Roman
Cover: Umarmung
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München - Stuttgart 2002
ISBN 9783421051820
Gebunden, 269 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Es ist Abend. Draußen wütet ein Schneesturm. Eine Frau sitzt mit einem Buch auf den Knien da und erwartet niemanden mehr. Da klopft es. Auf der Schwelle steht die befreundete Autorin. Verstört prescht sie in die Wohnung. Sie sagt, sie sei in eine arge Geschichte hineingeraten, aus der sie allein nicht mehr entkommen könne, und beginnt von ihrem Ro-man zu erzählen...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2004

Was, fragt sich Rezensent Stephan Maus, beabsichtigt Lydia Mischkulnig mit ihrem "Diskursroman" eigentlich: "Das männliche Hirn durch Einschläfern stillzulegen und so die Phallokratie zu stürzen"? Die österreichische Autorin scheint sich sprachlich wie motivisch mächtig an Elfriede Jelinek anlehnen zu wollen und krankt doch, wie unser Rezensent gewohnt ungnädig diagnostiziert, "an der penetranten Bildungshuberei einer frisch gebackenen Abiturientin". Inhaltlich geht es um zwei Frauen, die über eine dritte (Agathe) schreiben, wobei die eine schließlich in Agathes Körper schlüpft und nicht wieder herausfindet. Mischkulnigs Roman versinke dank seines "semiotischen Overkills" in der Bedeutungslosigkeit. Am Rande eines Nervenzusammenbruchs zweifelt Stephan Maus schließlich an den sprachlichen Gemeinsamkeiten des Deutsch-Österreichischen allgemein und mutmaßt, "dass der Autorin bei all ihren verkrampften Anstrengungen, modern zu wirken, dieser gewollt avantgardistische Text unter der Hand vermodert ist".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2003

Reichlich hämisch macht Rezensent Friedmar Apel mit Lydia Mischkulnigs drittem Roman kurzen Prozess. Hier herrscht das "pubertäre Prinzip", verkündet er und beschreibt die Höhepunkte des Buches als "Preziosen von erhabener Albernheit". Zitate, mit denen er Kostproben dieser Preziosen präsentiert, können den Leser das Fürchten lehren. So sieht Apel die Autorin sich im "Ichigen" und dem "Gefühl der Pfotigkeit" verstricken. Auch belehrt er uns, dass es sich bei diesem Roman um ein "Spiel mit Identitäten" handelt, das er offensichtlich aber nicht sehr überzeugend fand. Während sich der Weiblichkeitsdiskurs des Buches für Apel glibbrig anfühlt, sieht er die Männer "nach dem Modell des Igittigitt" modelliert. Am Ende sei dem Leser "kein vernockerlter Gedanke" der österreichischen Autorin mehr fremd.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2002

"Wild" und "wildernd" nennt Rezensent Samuel Moser Lydia Mischkulnigs Roman "Umarmung". Sehr verwirrend klingt zunächst, was er vom Inhalt preisgibt. Die Autorin "liebt's morbid", fügt Moser noch hinzu. "Umarmung" habe viele unterschiedliche Facetten, führt er aus, sei Satire, bürgerliche Familiengeschichte, Freundschafts- und Liebesgeschichte zweier schreibender Frauen und auch erzählte Poetik. Erzählstrukturen werden aufgelöst, aber nicht so konsequent wie bei Friederike Mairöcker. Auch wenn Mischkulnig in der Tradition weiblicher Emanzipationsliteratur stehe, wie Moser feststellt, strebe sie nicht die Festlegung neuer Rollen, sondern eher die "Befreiung aus allen Häuten" an. Auch wenn diese Forderung recht radikal formuliert werde, stecke dahinter vielleicht lediglich der Wunsch, dass "Umarmung zwischen freien Menschen möglich werde", vermutet Moser abschließend.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Die Autorin ist für ihre sprachliche Kraft und Präzision bekannt, weiß Dorothea Dieckmann, die diese Qualitäten auch in diesem Roman wiederentdeckt. In ihrer Kurzkritik zeigt sie sich trotzdem ganz und gar nicht glücklich mit dem Buch, in dem eine Ich-Erzählerin von dem Roman einer Erzählerin mit den Initialen der Autorin über deren Freundin Agathe erzählt. Mit wachsendem Ärger charakterisiert sie das Buch als "Hirnzirkus", "gehobenem Selbsterfahrungskitsch" und "verquasten Klagegesang", und sie findet dieses Changieren zwischen "Bachmannscher Klage und Jelinekscher Tirade" einfach nur öde. Was nützt die klare Sprache, fragt sie abschließend, wenn die verhandelten Themen sich nur mit "alten Zutaten" im "Fahrwasser" des "Geschlechterkampfs", "Weiblicher Identität" und so weiter bewegt, und das in einer Art, die so abstrakt ist, dass das Ergebnis schlicht "ungenießbaren Brei" ergibt.

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