Das Massenfest war Herrschaftsmittel der Bolschewiki. Feste dienten als Instrument, politische Ziele zu popularisieren und die Untertanen zu formen. Durch Paraden und Aufmärsche vermittelte der Propagandastaat seine kulturellen Standards und seine Weltanschauung. Mit dem Fest präsentierte die bolschewistische Inszenierungsdiktatur ihre Leistungen und visualisierte die neue gesellschaftliche Ordnung. Festexperten entwickelten "rote" Rituale und Kommissionen planten aufwendige Choreografien. Malte Rolfs mehrfach ausgezeichnete Studie verfolgt, wie Regionales, Traditionelles und Privates die zeremoniellen Praktiken prägten und sich mit offiziellen Normen zu einer hybriden Festkultur verbanden. Die Feiertage des roten Kalenders erhielten eine gesellschaftliche Bedeutung, die ihr Weiterleben auch nach dem Ende der Sowjetunion sicherte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2006
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Helmut Altrichter von dieser umfangreichen Studie über die Kulturgeschichte der Massenspektakel in der Sowjetunion, die Malte Rolf nun vorgelegt hat. Er würdigt die langjährigen Archivstudien, die der Autor für sein Werk in Moskau und in der russischen Provinz auf sich genommen hat, wo er Dokumentensammlungen, Reiseberichte, Memoiren und Forschungsliteratur ausgewertet hat. Die zeitliche und thematische Konzentration auf bestimmte Bereiche, die Rolf vornimmt, erscheint dem Rezensenten notwendig und auch nachvollziehbar. Als Schwerpunkt der Untersuchung gibt er die zwanziger und dreißiger Jahre an. Damals mutierten die festtäglichen Ansammlungen immer mehr zu sorgfältig inszenierten Massenkundgebungen, welche die "Errungenschaften" der Sowjetunion demonstrierten und eine noch bessere Zukunft versprachen. Aber auch die Zeit davor (vor 1921) und danach (nach 1941) stelle der Autor umrisshaft dar. Das Resümee des Rezensenten: ein "kluges, zum weiteren Nachdenken anregendes Buch".
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