Ich beginne wieder von vorn
Tagebücher 2000 - 2001

Kanon Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783985680269
Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Goldene Kamera, Goldene Schallplatte - Goldener Herbst Ein neues Jahrtausend bricht an, und ein für alle Mal will Manfred Krug das für ihn so erfolgreiche Schauspiel-Kapitel schließen. Am 11. November 2000 fällt die letzte Klappe beim "Tatort" - bye-bye, Hamburg! Voller Elan tritt Krug seine zweite Gesangskarriere an. Drei Platten erscheinen, darunter "Schlafstörung", die er für seine beste hält. Quer durch Deutschland geht er auf musikalische Lesereise und besucht Städte, die er von früher kennt. Emotionale Erinnerungen, gravierende Veränderungen. Mit der Jazz-Legende Uschi Brüning gibt es ein Wiedersehen und bald schon die ersten Misstöne. Krug holt Tochter Fanny auf die Bühne. Aufritt bei "Wetten, dass …" und zum 66. Geburtstag von Udo Jürgens, Einladung zur Tour de France, um das Team Telekom am Straßenrand zu beklatschen. Goldene Kamera, Goldene Schallplatte - Goldener Herbst. Und doch: die Gesundheit, die vielen Kilos auf den Rippen, die nachlassenden Kräfte. Und die Weltlage verändert sich: Spendenaffäre, russische Kursk-Katastrophe, dann der Paukenschlag: Am 11. September 2001 fliegen zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.11.2024
Rezensentin Cornelia Geißler liest die Tagebücher von Manfred Krug vor allem, aber nicht nur als Zeit- und Selbstzeugnis, welches sie nahe heranführt an das 2016 verstorbene Multi-Talent und seine Gegenwart, im dritten Band: die Nullerjahre. Werten möchte sie diese intime Selbstverständigungsschrift offenbar nicht. Krug zeigt sich darin, anders als in der Öffentlichkeit seiner Zeit, immer wieder auch verletzlich, nachdenklich, äußert seine Ängste, Schmerzen und politische Bedenken, seinen "Ekel vor den Primitiv-Deutschen" etwa und ihrem Hass auf das Fremde, lesen wir. Während die Berichte von Auseinandersetzungen mit der Boulevard-Presse etwa - Social Media spielte damals noch keine Rolle - den Abstand markieren zur Gegenwart der Rezensentin, ist es gerade Krugs Kritik an Staat und Gesellschaft, die heute immer noch trifft, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2024
Mit viel Sympathie liest Rezensent Holger Gertz Manfred Krugs Tagebücher aus den Jahren 2000 und 2001, die, so legt es die Kritik nahe, vor allem bissige Kommentare zu Tatort-Folgen enthalten. So amüsiert sich der Rezensent etwa prächtig, wenn Krug lakonisch kommentiert: "Knallchargen und Längen, keine Spannung. Die Wichser" oder sich über "beschissene" Bücher beschwert. Aber auch das Weltgeschehen jener Jahre nimmt der ehemalige Ost- und spätere Weststar in den Blick, notiert Gertz. Der 11. September kommt ebenso wie Erich Mielkes Tod zur Sprache, auch Krugs Schuldgefühl gegenüber Fans nach dem Niedergang von Telekom-Aktien, die er zuvor beworben hatte, wird angesprochen. Persönliches wie das Vernichten von Liebesbriefen bewegt den Rezensenten, während ihn manches Notat zur politischen Lage in seiner Aktualität erstaunt: Keine Toleranz gegenüber "Hautköpfen", hält Krug etwa fest, als er das Wiedererstarken von Nazis um die Jahrtausendwende in Deutschland bemerkt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 21.09.2024
Tobias Lehmkuhl rezensiert in extenso die Tagebücher von Manfred Krug aus den Jahren 2000 und 2001, und obgleich der Autor eitel allerhand Banales herausgrummelt, über schlechte Drehbücher, noch schlechteres Essen, schlechten Schlaf, wegsterbende Freunde und das Ende seiner Karriere als Schauspieler, fühlt sich der Rezensent gut unterhalten. Das liegt an Krugs Schalkhaftigkeit und Pointensicherheit. Mit diesen Zutaten wird der gar nicht mal glamouröse Alltag des Schauspielers und Sängers durchaus interessant, versichert Lehmkuhl.