Im Juli 1905 treffen Lyonel Feininger und Julia Berg im Zug Richtung Ostsee jeweils die Liebe ihres Lebens. Beide sind verheiratet, doch schnell ist ihnen klar, dass sie einen gemeinsamen Neuanfang wagen wollen. Bestärkt durch Julia, willFeininger zu einer neuen Malkunst finden. Davon schreibt er ihr in zahlreichen Briefen. Neben einem feinsinnigen Menschen, fortschrittlichen Vater, liebenden Ehemann und zweifelnden Künstler scheint darin auch die Frau und Künstlerin Julia Berg, seit 1907 Feininger, auf, die ihre Briefe für die Nachwelt sperren ließ. Die seinen nehmen uns mit auf eine Zeitreise durch Krieg, Weimarer Republik, Inflation und die Entstehung des Bauhauses. Sie erzählen vom Aufstieg der Nationalsozialisten, der wachsenden Gefahr für Julia und ihre jüdische Familie, von Diffamierung und Abschied.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2021
Rezensent Stefan Trinks sucht produktionästhetische Äußerungen vergebens in diesem von Ines Burdow und Andreas Hüneke herausgegebenen Band mit den Briefen Lyonel Feiningers an seine Frau Julia. Davon abgesehen aber wird er reich beschenkt. Mit einer männlich-weiblichen "Doppelperspektive" auf 30 Jahre Zeitgeschichte, die laut Rezensent noch dadurch gewinnt, dass Feininger immer wieder versucht, den Standpunkt seiner Frau einzunehmen, sowie mit Alltagsdetails über Wohnungssuche, Ernährung und Inflation. Nicht zuletzt ist die Korrespondenz für Trinks auch ein Zeugnis für die Selbstzweifel des Künstlers und das gegenseitige Haltgeben des Paares.
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