Dieses Buch leistet die Rekonstruktion eines für die Literaturgeschichte folgenreichen Prozesses: die Überlagerung des Literatursystems durch die Massenmedien im Laufe des 19. Jahrhunderts und das damit verbundene Gendering des gesamten literarischen Lebens. Ausgehend vom Boom der periodischen Printmedien und der extensiven Praxis des Romanvorabdrucks werden - entgegen der üblichen Verfallsperspektive - einerseits die Funktionsänderungen beschrieben und die Spielräume ausgelotet, die die Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch ihr Aufgehen in den Familien- und Rundschauzeitschriften hinzugewinnt. Zum anderen erweisen sich in dieser medienhistorischen Perspektive die zentralen Kategorien der Literaturwissenschaft - Autor, Werk, Gattung - als dringend revisionsbedürftig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2008
Der Studie von Manuela Günter zur Differenz männlich/weiblich in der Literatur des 19. Jahrhunderts kann Christian Schärf einiges abgewinnen. Sowohl die Rückzüge ins Autistische von Autoren wie Flaubert und Nietzsche, als auch die stilbildende Durchmischung von "männlichem Kunstanspruch" und "weiblicher Medialisierung" im literarischen Realismus, in Novelle und Feuilletonroman, kann Schärf mit Hilfe dieses Buches besser verstehen. Dass Günter "ausnahmslos schlüssig" argumentiert, weckt beim Rezensenten allerdings die Vorstellung von allzu emsig geglätteten Falten. Dem ihm zu Beginn der Lektüre heftig ins Gesicht schlagenden "systemtheoretischen Jargon" dagegen hätte Schärf gerne mehr "weibliche", medial geprägte Affären gewünscht.
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