Herausgegeben und aus dem Französischen übersetzt von Bernd-Jürgen Fischer. Wer Einblick in Prousts Leben gewinnen will, einen sehr intimen zuweilen, muss seine Gedichte lesen. Meist sind es Gelegenheitsgedichte an Freunde und Bekannte; sie finden sich in Briefen, auf Notizzetteln, auf der Rückseite von Fotografien, als Widmungen in Büchern. Dazu kommen Pastiches sowie Gedichte über Maler und Musiker, die Proust verehrte. Ein besonderes Kapitel bilden die Gedichte an seinen Herzensfreund Reynaldo Hahn, für den er sich die abenteuerlichsten Namen einfallen lässt (u. a. "Puncht, "Binchnibuls"). Man lernt den Autor darin von einer ganz neuen Seite kennen: verspielt, neckisch und manchmal auch albern. Alle Gedichte werden in Original und Übersetzung und mit den zugehörigen Zeichnungen Prousts präsentiert. Dazu hat Bernd-Jürgen Fischer, der Übersetzer von Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit", sämtliche bekannten Proust-Gedichte zusammengestellt, neu übersetzt und kommentiert. Ergänzt wird die Ausgabe durch einen umfangreichen farbigen Bildteil, in dem zahlreiche der Gedichtadressaten abgebildet sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2018
Ein Lyriker war Marcel Proust wahrlich nicht, stellt Schriftsteller Karl-Heinz Ott nach der Lektüre von Prousts Gedichten fest. Von wenigen Ausnahmen abgesehen erscheint dem Kritiker die hier zweisprachig versammelte Liebes-, "Kaffeehaus-, Cabaret- und Salon-Poesie" naiv oder "parfümiert", mitunter "snobistisch", oft "seicht". Und auch wenn Ott hier durchaus bereits Motive der "Recherche" entdeckt, kann er nachvollziehen, dass Übersetzer Bernd-Jürgen Fischer sich offenbar nicht allzu große Mühe gegeben hat und meist nur den Inhalt der Poeme wiedergibt. Ein üppiger Anmerkungsapparat und Kommentarteil, dazu der wunderbare Fotografien, Karikaturen und Gemälde enthaltende Bildteil entschädigen den Kritiker allerdings für die Mühen der Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2018
Jürgen Ritte macht sich keine Illusionen. Marcel Proust war kein Lyriker, erklärt er. Dass Proust außer einer Handvoll Maler- und Musikerporträts, gereimten Mitteilungen und lustigen Satiren auch keine Gedichte verfasst hat und sich auf die Prosa konzentriert hat, scheint er dem Autor hoch anzurechnen. Dass die gesammelten Texte nun noch einmal auf Deutsch erscheinen, kann Ritte auch nur auf den zweiten Blick verstehen. Auf den ersten weiß er, dass die Übersetzung bei solcherart "gestelztem" Belle-Epoque-Stil oder bei den Stegreifversen nur verlieren kann und auch ein mächtiger Apparat die Texte nicht besser macht. Auf den zweiten aber sieht die Sache für Ritte komplexer aus: Die ins Werke eingegangenen lyrischen Zitate dienen dem Rezensenten als "Bojen" in diesem "Ozean aus Sprache". Und schließlich sieht Ritte Prousts Literaturverständnis von seiner frühen Liebe zur Lyrik geprägt. Das rechtfertigt für ihn das Buch und die Lektüre.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…