Marcin Zaremba

Die große Angst

Polen 1944-1947: Leben im Ausnahmezustand
Cover: Die große Angst
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2016
ISBN 9783506780935
Gebunden, 629 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Rotarmisten, bestechliche Milizionäre, Deserteure, Banditen, Hunderttausende Kriegsversehrte, Waisen und Bettler. Sie prägten das Bild Nachkriegspolens. Marcin Zaremba nimmt den Leser mit auf die schockierende Reise in eine Zeit, die aus der Erinnerung nicht nur der Polen verschwunden ist - in ein durch den Krieg entvölkertes Land der Angst, Armut und Unsicherheit. Die Große Angst ist die Geschichte der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, bar aller Mythen und Legenden. Der Autor zeigt eine zerstörte Gesellschaft, in der Überfälle, Vergewaltigungen und Plünderungen an der Tagesordnung waren und in der es wieder zu Pogromen gegen Juden kam. Eine unsichere Zukunft brachte die von fünf Jahren Besatzung geplagten Menschen um den Schlaf. Gibt es einen neuen Krieg? Schaffe ich es, Hunger und Epidemien zu überstehen? Finde ich ein Heim und Arbeit in diesem Land, das nicht einmal feste Grenzen besitzt? Fragen wie diese stellten sich Millionen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2016

Fulminant findet Christoph Klessmann die Arbeit des Historikers und Soziologen Marcin Zaremba. Dass der Autor am Ende kein Resümee vorlegt und es in seinem düsteren Panorama keinen Lichtblick der "Gegenkräfte" gibt, wie Klessmann zu bedenken gibt, kann der Rezensent schließlich verschmerzen. Viel zu imposant erscheinen ihm Zarembas sozialpsychologische Ausführungen einer Gesellschaft im Chaos und im Umbruch, zwischen Schrecken und Bangen. Die umfangreiche Bibliografie und Zarembas Archivrecherchen ergeben laut Rezensent ein enormes, bilderreiches Szenario des Grauens als "Gegenerzählung" zu vereinfachten Vorstellungen von Befreiung und Wiederaufbau, in dem Milizionäre, Invaliden und Spekulanten das Personal abgeben, Typhus und Minen, meint Klessmann. Auch wenn ihm die Kapiteleinteilung nicht immer nachvollziehbar erscheint, der Mix aus plastischer Darstellung, Zitaten und soziologischer Deutung überzeugt Klessmann.
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