Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen. Die wichtigsten Reden und Aufsätze des Essayisten Martin Pollack erstmals in einem Band: Sie widmen sich so unterschiedlichen Themen wie dem Massaker von Rechnitz in den letzten Kriegswochen, den Wiener "Reibpartien", bei denen Juden unter dem Beifall der Bevölkerung die Gehsteige schrubben mussten, dem Mythos Galizien, der polnischen und ukrainischen Nachkriegsgeschichte oder auch der Verstrickung seiner eigenen Familie in den Nationalsozialismus. Immer ist Pollacks Blick scharf und kritisch, immer richtet er sich gegen das bequeme Vergessen. Und immer stellt er die zentrale Frage der Geschichtspolitik: Wie können und müssen wir heute mit dieser Erinnerung umgehen?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2016

Nico Bleutge reist mit Martin Pollack tief in die Vergangenheit von Landschaften und Menschen. Wie der Autor im Spiel mit literarischen Formen, mit Zeugenaussagen, Historiker-Zitaten, eigener Familiengeschichte, Chroniken und Archivfunden Deutungen von Geschichte entwickelt und Widersprüche aufdeckt, gefällt Bleutge. Pollacks Fragen sind genau und treffen auf die verborgenen Schichten und blinden Flecken offizieller Erzählungen, meint er. Neben historischem Einfühlungsvermögen klingt in Pollacks gesammelten Essays laut Bleutge allerdings mitunter auch ein moralischer Ton an, der dem Rezensenten nicht behagt. Gegen das Vergessen helfen die Texte aber allemal, betont er. Und Pollacks Essays über Galizien findet er einfach unheimlich spannend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2016

Stephan Stach trifft auf eher unangenehme, aber intellektuell anregende Lektüre in diesem Erinnerungsbuch von Martin Pollack. Was der Autor in seinen Essays an Erinnerungsschnippseln, Fotos, Notizen, Begegnungen und Zeugenaussagen zusammenträgt, zeigt dem Rezensenten, wie fruchtbar die Perspektive individueller Erfahrung auf die Geschichte sein kann. Die Recherchen des Autors zur Verwicklung seines Vaters in die Erschießung polnischer Geiseln 1944, zu seiner Familiengeschichte in Österreich und der Zerstörung von Lodz durch die Nazis scheinen Stach so schonungslos wie lehrreich, fordern sie den Rezensenten doch dazu auf, gemeinsam mit dem Autor, Sichergeglaubtes zu hinterfragen. Eine Topografie Zentraleuropas aus der Erinnerung, die Stach gut gefällt.
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