1951 wurde der junge Schriftsteller Horst Bienek in Ostberlin verhaftet und wegen angeblicher Tätigkeit für den amerikanischen Geheimdienst zu 20 Jahren Arbeitslager verurteilt. Etwa drei Jahre verbrachte er in Workuta, nördlich des Polarkreises, bis er 1955 nach Westdeutschland entlassen wurde. Schon sehr früh verarbeitete er diese existenzielle Erfahrung in seinen Werken, etwa in "Traumbuch eines Gefangenen" (1957) oder im Roman "Die Zelle" (1968). Bereits von der Aids-Krankheit gezeichnet, hat Bienek kurz vor seinem Tod seine Erinnerungen an Workuta in szenischen Rückblicken aufgezeichnet. Darin beschreibt er die lange Untersuchungshaft mit unzähligen Verhören und seine Verurteilung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2013
Nicole Henneberg bezeichnet Horst Bieneks postum entdeckte skizzenhafte Erinnerungen an seine Gefängnis- und Lagerjahre im GULag als radikal authentisches Dokument einer schmerzhaften Annäherung, provisorisch, doch von großer suggestiver Kraft. Beim Lesen der lakonischen "Erzählsplitter" spürt sie deutlich die Gefühle des ehemaligen Häftlings und seine Dankbarkeit für kleinste Erleichterungen. Das Nachwort von Bieneks Verleger Michael Krüger erscheint ihr sehr persönlich; hier erhält sie u. a. Auskunft über Bieneks Verhältnis zum Persönlichen in seinen Texten.
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