Ein Anthropologe im Conseil d'État? Dieses Buch nimmt Bruno Latours Ethnografie des französischen Staatsrats genauer unter die Lupe. Mehrere Monate lang hat Bruno Latour Feldforschung in den Räumen des französischen Staatsrats betrieben und seine Beobachtungen schließlich in Die Rechtsfabrik festgehalten. Dabei richtet der Autor seine Aufmerksamkeit besonders auf die Medienpraktiken bei Gericht, vor allem auf den Umgang mit Akten, Dokumenten und Dossiers. Der Prozess der rechtlichen Entscheidungsfindung wird so von seiner bürokratischen Infrastruktur her betrachtet. Diese einzigartige Herangehensweise gibt Anlass zu einer Auseinandersetzung mit ihren Ergebnissen. Aus soziologischer, juristischer wie sozialanthropologischer, literatur- wie medienwissenschaftlicher Sicht wird Latours Ethnografie der Rechtsarbeit im Zusammenhang seines großen Projekts eines Vergleichs von "Existenzweisen" in diesem Band kontrovers diskutiert: Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Sebastian Gießmann, Thomas G. Kirsch, Karl-Heinz Ladeur, Bruno Latour, Stefan Nellen, Clemens Pornschlegel, Doris Schweitzer und Marcus Twellmann.
Mit gemischten Gefühlen hat Rezensent Christoph Möllers den von Marcus Twellmann herausgegebenen Begleitband zu Bruno Latours "Rechtsfabrik" gelesen. Die Einführung in Latours Ethnologie des französischen Conseil d'Etat findet der Kritiker zwar brillant, gern hätte er allerdings auch etwas über Latours literarische Techniken erfahren. Darüber hinaus vermisst er bei vielen Beiträgen des Bandes die notwendige Distanz zum Projekt des französischen Wirtschaftstheoretikers. Insbesondere dank Doris Schweitzers scharfsichtigem Beitrag zu Latours Anspruch, eine allgemeine Theorie des Rechts schreiben zu wollen, hat Möllers diesen Band aber mit Gewinn gelesen.
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