Marek Edelman war einer der Anführer des jüdischen Widerstands im Warschauer Ghetto und ein unbequemer Mahner. Mit nur einer Handvoll Gefährten organisierte der damals Zweiundzwanzigjährige 1943 den kurzen, hoffnungslosen Kampf gegen die übermächtigen Deutschen. Eindringlich lässt Edelman seine Erinnerungen an das Ghetto lebendig werden. Hier rettete er Gefährten vor der Deportation und gab unter Einsatz seines Lebens das Untergrund-Bulletin heraus. Hier erfuhr er aber auch Zusammenhalt im Angesicht der Gefahr, erlebte bewegende Momente der Liebe, der Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern, zwischen jungen und älteren Liebenden.
Als einziger überlebender Kommandant des Warschauer Ghetto-Aufstands war dieses Kapitel jüdischen Widerstands das Lebensthema von Marek Edelman, weiß Alice Bota. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 2009 wandte er sich einem anderen Thema zu, das sein jetzt erschienenes letztes Buch im Titel trägt: "Die Liebe im Ghetto". Darin erzählt der Autor allerlei wahre Geschichten um unmögliche Liebe in Zeiten des Holocaust und bewahrt manch bewegendes Schicksal vor der Vergessenheit, etwa das der Erzieherin Hendusia Himelfarb, die wie Janusz Korczak mit den ihr anvertrauten Kindern in den Tod ging, wie die Rezensentin zusammenfasst. Im Ghetto war die Liebe existenziell, erfährt Bota: "Wer nicht sterben wollte, musste lieben". Ihre Freude über dieses Buch wird allerdings von einer "leider wenig geglückten deutschen Übersetzung" getrübt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.03.2013
"Große Literatur" erblickt Rezensent Klaus Bittermann in den Erinnerungen des Anführers des Warschauer Ghettoaufstands Marek Edelman, die der mittlerweile Verstorbene hochbetagt seiner Lebensgefährtin Paula Sawicka geschildert hat. Hoch rechnet es ihm der Rezensent dabei an, auf Vokabeln wie "schrecklich" oder "furchtbar" verzichtet zu haben - steht die Grausamkeit der Erlebnisse doch für sich und außer Frage. Noch beeindruckender findet Bittermann aber, wie es Edelman gelingt, den Blick des Lesers auch auf den Alltag im Ghetto abseits allgegenwärtiger Entbehrungen zu richten, auf Szenen der Liebe und Zuneigung zwischen den Menschen, ohne die, wie Edelman unterstreicht, ein Aufstand gar nicht denkbar gewesen wäre.
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