Maren Wurster

Papa stirbt, Mama auch

Cover: Papa stirbt, Mama auch
Hanser Berlin, Berlin 2021
ISBN 9783446271128
Gebunden, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Eine Reflektion über Fürsorge und Übergriffigkeit, Krankheit und Tod - und die Suche nach der eigenen Geschichte. Ein persönliches Buch über den Abschied von den Eltern - und der literarische Versuch, die eigene Herkunft zu ergründen. Der Vater liegt auf der Intensivstation, die demenzkranke Mutter wird in einem Pflegeheim betreut. Dazwischen steht die Tochter, selbst Mutter eines kleinen Kindes, und muss sich kümmern, weiß aber nicht, wie. Sie fängt an, sich zu erinnern: an ihre Kindheit, an das Ferienhaus in Spanien, aber auch an die Sucht des Vaters und die Unnahbarkeit der Mutter. Und während sie das Leben der Eltern vom Moment des Sterbens aus erzählt, begreift sie nach und nach, was die beiden eigentlich für Menschen waren, was für ein Mensch sie selbst geworden ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.12.2021

Rezensentin Eva Behrendt erforscht mit Maren Wurster das Abschiednehmen. Die Autorin beobachtet darin auf 155 Seiten wie zuerst ihre Mutter immer dementer wird, wie ihr Vater dann an Krebs und den Folgen seiner Alkoholsucht erkrankt und wie sie selbst, stets an der Seite der ihr immer mehr entgleitenden Eltern mit alldem umgeht, erklärt Behrendt. Ein Teil des Buches ist mit der vertrauten, offenen Ansprache eines "Du's" an den Vater gerichtet, wodurch der Rezensentin zufolge eine Differenz in der Beziehung von Wurster zu den Eltern deutlich wird, die sich durch den gesamten Text zieht. Doch auch, wenn die Autorin ein distanziertes Verhältnis zur Mutter beschreibt, so bleiben ihre Sprache und ihr Ton stets intim und ohne Vorwürfe oder Wertung und durchgängig literarisch anstatt essayistisch. Das erinnert beinahe an eine "Sufjan-Stevenshafte Melancholie", findet Behrendt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.09.2021

"Bestürzend" findet Rezensentin Marlen Hobrack diesen Text, der sie ganz nah an das Sterben der Eltern heranführt. Die Mutter dement, der Vater krebskrank und nur noch den Tod herbeisehnend - das ganze Kind-Eltern-Verhältnis vollkommen umgewandelt, das kann sie an Maren Wursters Geschichte nachempfinden, die ihr stark autobiografisch angelehnt scheint. Dazwischen immer wieder Reflektionen über das Schreiben und die eigenen Ängste, so Hobrack. Dass Wurster in ihrem Buch immer wieder einen Textvater anschreibt, findet die Rezensentin verständlich. Der bleibt.

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