Klappentext
Aus dem Kanadischen Englisch von Monika Baark. Neben zwei Storysequenzen aus dem Leben eines Paares - mit all den großen und kleinen Momenten, aus denen eine lange Liebe besteht - enthält dieser Band viele weitere Geschichten: Zwei beste Freundinnen streiten über die gemeinsame Vergangenheit; wie rettet man jemand vor dem Ersticken; Kabbale und Liebe unter älteren Akademikerinnen; woher weiß man schon, ob die eigene Mutter wirklich eine Hexe ist ... Es geht um geliebte Katzen, eine verwirrte Schnecke, ein märchenerzählendes Alien, Martha Gellhorn, George Orwell und Hypatia von Alexandria.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 13.09.2024
Man müsse das Grauen fein dosieren beim Schreiben, hat Margaret Atwood einmal gesagt. An diese Weisheit, so Rezensentin Undine Fuchs, hält sich die Autorin auch in den Erzählungen aus "Hier kommen wir nicht lebend raus". Dieser Band ist gewissermaßen ein Archiv, die Archivarin heißt Nell. Nell hat, denn das ist ihr Wesen, ihr Leben lang Erinnerungen gesammelt, Erinnerungen von den Toten und an die Toten. Ihre Geschichten über das Leben und Ableben geschätzter und geliebter Menschen sind oft von einer tiefen Traurigkeit durchzogen, etwa und insbesondere wenn sie vom Tod ihres eigenen Ehemanns Tig erzählt, lesen wir. Und doch gelingt es Atwood, die Fähigkeit ihrer Leserinnen und Leser zum Mitleiden nie überzustrapazieren. Es ist ihr feiner Humor, der uns über die Trauer und das Grauen hinweg trägt, so Fuchs. Und dann ist da noch, in der Mitte dieser schön-traurigen Erinnerungen: das literarische Kuriositätenkabinett, ein Geisterhaus für Gespenster der Vergangenheit. Hier sammelt die Archivarin Geschichten aus verschiedenen Perspektiven, die das Erinnern erweitern, entgrenzen ins Reich des Surrealen: Ein Interview mit dem Geist George Orwells, eine Schnecke im Körper eines Bankangestellten, oder eine Mutter, die - vielleicht - ihren Mann in einen Gartenzwerg verwandelt hat. In all dem liegt eine tiefe Tragik, die dank Atwoods subtilem Humor jedoch nie bitter wird, so die bewundernde Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.09.2024
Margaret Atwoods neuer Kurzgeschichtenband ist eine sehr gelungene, unterhaltsame Sammlung, die vor allen eine Sprache für die Trauer sucht, findet Rezensentin Tanya Lieske. Acht Einzelerzählungen werden von jeweils drei bzw. vier über das Ehepaar Nell und Tig gerahmt; in letzteren geht es laut der Rezensentin um das sich noch im Alter liebende Paar, das zum Beispiel eine Kreuzfahrt plant. Dabei gibt auch - dem Hang der Autorin entsprechend - Morbides zu lesen, wie eine auf dem Schiff mitgeführte Tiefkühltruhe für den Fall, dass ein Passagier stirbt. In einer späteren Story ist Tig gestorben, und Lieske stellt eine Verbindung zum Tod von Atwoods Partner Graeme Gibson 2019 her. Auch in den anderen Geschichten ist laut der Rezensentin Autofiktionales präsent: wie, in einer humorvollen Episode, eine Hexe aus dem 17. Jahrhundert, die laut Familienlegende zu Atwoods Vorfahren gehört. Ein oft amüsanter und bewegender Band, den Lieske in der Übersetzung von Monika Baark empfehlen kann.