Marie Darrieussecq

Das Baby

Cover: Das Baby
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446204539
Gebunden, 148 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Frank Heibert. Das Baby: Ein rot anlaufendes, schreiendes Bündel, ein saugender kleiner Wurm, ist so etwas überhaupt literaturfähig? Ja, meint Marie Darrieussecq und hat daher ihre Beobachtungen und Gefühle während der ersten Lebensmonate ihres Sohnes aufgeschrieben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2005

Verena Mayer hat "lange nichts mehr von den Thirty-somethings gehört" und hofft nach der Lektüre dieses Romans - und mit einem ängstlichen Seitenblick auf den Prenzlauer Berg -, dass es dabei bleibt. Und dass jetzt bloß nicht alle auf die Idee kommen, über ihre Babys zu schreiben. So wie Marie Darrieussecq, die von einer jungen Mama im Kinderglück erzählt: "Literarisch beschworen wird ein Kindchen, wie es schläft und saugt und sabbert", und wie alle fremden Kinder, so Mayer, ist das zuerst ganz süß, und dann gewaltig nervig. Und als die Autorin ihr auch noch einreden wollte, dass der Alltag mit Kind das Erfüllendste und Interessanteste überhaupt ist, war die Rezensentin mit ihrer Geduld am Ende: "In der Summe ergibt das jenen Tonfall in sich ruhender Selbstzufriedenheit, der an jungen Müttern generell schwer auszuhalten ist." Aber als Literatur getarnt: schrecklich! Ihr Fazit: das "Protokoll eines Verlusts. Das Kind wird mobiler und selbstständiger, die Mutter in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt." Und man hat nicht das Gefühl, dass sie damit nur die Erzählerin dieses Buches meint.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2004

"Das Baby" entstand aus gegebenem Anlass: die Autorin begleitete sich und ihr Kind in den ersten Monaten nach der Geburt, wobei ihr ein kluges, sehr poetisches und sprachlich anspruchsvolles Buch gelungen ist, aus dem Rezensentin Barbara Villiger Heilig am liebsten ununterbrochen zitieren würde. Die 1969 geborene Autorin, die in ihren ersten Büchern nach etwas aufgetrumpft und sich in surrealen Ausflügen gefallen habe, sei reifer geworden; sie investiere nun in die Beobachtung der Wirklichkeit, in die Erforschung eines eigentlich unspektakulären mütterlichen Alltags. Dabei versuche die Mutter immer wieder, sich in die Perspektive des Neugeborenen zu versetzen, seinen Horizont zu erforschen. Neugier treibe die Autorin an, vielleicht auch eine Art Ehrfurcht - in jedem Fall sei sie weit davon entfernt, behauptet Villiger Heilig, irgend eine Betroffenheitsprosa, Mutterkitsch zu produzieren. Im Gegenteil, sie fühlt sich eher an Francis Ponges "Parti pris des choses" erinnert, ein literarischer Versuch, dem beschriebenen Objekt oder Subjekt gerecht zu werden. Das Baby wird auf diese Weise, stellt Villiger Heiliger beruhigt fest, von falschen Projektionen verschont.
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