Wenn es eine Heldin in den Gedichten Marie T. Martins gibt, ist es die Natur: der Weißdorn, die Käferin im Gras oder die Stare, die sich kreisend am Himmel formieren. Die Natur ist zugleich das Vertraute, Dauerhafte, das zurückbleibt, wenn von Abschied und Tod die Rede ist. "Bekommst du noch Briefe von Toten?", heißt es in dem Gedicht "Brief im April". "Was siehst du ohne Augen?" Wie Trost klingt, dass Blauschote und Glimmerkraut dort wachsen, wo die Augen nichts mehr sehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2020
Rezensent Mirko Bonné empfiehlt Marie T. Martin zweiten Gedichtband wegen der Präzision und Wärme der Texte um Phänomene des Beobachtens, der Körperlichkeit, des Empfindens. Beim Lesen staunt der Rezensent, wie real und zugleich transzendent die Bilder der Texte wirken, welche Räume in Zeit und Raum sie öffnen, meist in Verbindung mit der Figur der Frage. Dem Aufruf zum offenen Austausch in den Gedichten folgt Bonné gern, lieber als jeder "intellektualisierten Dichtung", zumal, wenn er so "fein komponiert" daherkommt wie hier.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.12.2020
Bewegt lauscht Rezensent Nico Bleutge den neuen Gedichten von Marie T. Martin, die das Wissen um Vergänglichkeit, Schmerz und Krankheit nie verbergen und doch immer wieder "schimmernde Momente" aufblitzen lassen. Fasziniert blickt der Kritiker mit dem sprachlichen "Kaleidoskop" der Lyrikerin auf Kindheit und Elternhaus zurück, staunt über Rhythmus und Sprachspiele und entdeckt klingende Bilder, die ihn in die Imaginationswelten der Dichterin führen. Mit Martins Sprache gelangt der Rezensent "unter die Haut der Wörter".
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