Christians Schloyers vierter Gedichtband "Venus - Mars" vereint kunstvoll-doppelbändig Science-Fiction, Game-Poesie und Sprachakrobatik. Ist es vielleicht doch keine gute Idee, die Zukunft der Menschheit auf dem Mars zu suchen? Der Leser kann in einem lyrischen "Text Adventure" das End-Game eines kapitalistisch-toxischen Patriarchats durchspielen - taumelnd zwischen Terraformingfantasien, Albträumen und erdschweren Sehnsüchten. Auch Venus rotiert um die "Selbstzerstörung" des Homo Sapiens, erprobt "neue Ansätze im Klagegesang", will "berühren um zu vergessen", begibt sich (von Populismus, Patriarchat und Leistungsfetisch angewidert) in die Sprach- und Selbsterforschung einer nicht-binären geschlechtlichen Identität. - Venus und Mars liegen kopf- und gegenüber. Zwischen den Zeilen und Seiten nehmen sie Bezug aufeinander, erkämpfen sich Zuversicht: im Unverstandenen in der Kunst und im Universum.
Ein faszinierendes Stück experimentelle Dichtkunst legt Christian Schloyer laut Alexandru Bulucz hier vor. Die Veröffentlichung teilt sich in einen "Venus"- und einen "Mars"-Teil, wobei der "Venus"-Teil normal von vorne nach hinten gesetzt ist, "Mars" hingegen, jeweils auf denselben Seiten, von hinten nach vorne und außerdem auf dem Kopf stehend. Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Teile ebenfalls, erläutert Bulucz: "Venus" - es geht hier in beiden Fällen nicht um die Götter, sondern um die Himmelskörper - greift in durchaus aggressiver Manier politische Reizthemen unserer Zeit auf, insbesondere gegen Marktradikale und Umweltsünder wird gewettert, "Mars" dagegen entpuppt sich als eine Art lyrisches Text-Adventure, also als ein gedrucktes, textbasiertes Computerspiel. Die Sprache Schloyers ist gekennzeichnet von eigenwilliger Interpunktion, englischen und Internet-Slang-Begriffen sowie Wortspielen: "frei sind wir + großspurig einhellig + stetig high". Erstaunlich, wie hier schwere Themen und spielerische Form eins werden, schließt der angetane Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2024
Rezensentin Beate Tröger spürt Ernst, Dringlichkeit, aber auch Witz in den Gedichten von Christian Schloyer. Dies trotz Schloyers klar spielerischem Ansatz, der sich laut Tröger schon in der doppelten Anlage des Bandes zeigt, den der Leser von zwei Seiten her beginnen kann. Thematisch geht es um Endzeit und mögliche neue Lebenswelten auf Mars und Venus, erklärt die Rezensentin. Schloyers poetische Sprache mit Aleatorik, Doppeldeutigem, Verdrehungen etc. erinnern Tröger Vers für Vers daran, es mit experimenteller Lyrik "im besten Sinne" zu tun zu haben. Anregung zum Denken inklusive, meint sie.
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