Wie konnte es geschehen, dass sich eine hochentwickelte moderne Nation wie Deutschland von Hitler und seinen Gefolgsleuten in der NSDAP für deren barbarischen Ziele in Dienst nehmen ließ und die Selbstzerstörung der eigenen politischen, kulturellen und moralischen Grundlagen in Kauf nahm? Bis in die Gegenwart hinein wirken die Erfahrungen von Krieg, Verfolgung und Terror und prägen die Auseinandersetzungen zwischen den Generationen. Sie bilden die unauslöschliche Grundlage für stets neue Versuche, die Geschichte im Kollektivgedächtnis lebendig zu halten. M. Rainer Lepsius (1928-2014), der Nestor der deutschen Nachkriegssoziologie, widmete zahlreiche Studien den gesellschaftlichen Voraussetzungen und Bedingungen, die zum Entstehen und Aufstieg des Nationalsozialismus führten. Seine in den 1980er Jahren an der Universität Mannheim gehaltene Vorlesung "Soziologie des Nationalsozialismus" bündelt seine einschlägigen Forschungen zu einem großen Essay.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.02.2026
Rezensent Robert Probst empfiehlt wärmstens die Lektüre der Heidelberger Vorlesung des Soziologen M. Rainer Lepsius aus dem Jahr 1983. Zu erfahren ist laut Rezensent nicht nur, wie klar und scharf Lepsius argumentieren konnte, sondern auch wie sich eine hoch organisierte Gesellschaft der rechten politischen Ordnung unterordnete und wie die Opferhaltung in der Nachkriegsgesellschaft die Aufarbeitung der NS-Herrschaft be- bzw. verhinderte. Dass der Ton der Vorlesung durchaus nicht nur fachterminologisch klingt, sondern auch ironisch, macht die Lektüre für Probst beinahe zum Vergnügen.
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