Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2000
Helmut Kaisers Rezension dieses Bandes ist so trocken, dass man sich als Leser wünscht, er hätte vor dem Schreiben ein Gläschen 1994er Trockenbeerenauslese vom Weingut Bürklin-Wolf zu sich genommen. Das Vorwort von Hardy Rodenstock hätte er sich "ausführlicher und aussagekräftiger" gewünscht. Vor allem bemängelt er aber, dass so viele ausgezeichnete Weine fehlen: "Die 1994er Portweine von Taylor`s und Fonseca oder die Burgunder von Leroy (Chambertin und Chambertin Cols de Beze) aus dem Jahre 1955, auch der 1961er Musigny von Vogüé....". Auch würden "feine, schlanke und filigrane Weine" unterbewertet, klagt Kaiser. Unzufrieden ist er auch mit der "unübersichtlichen" Gliederung. Laien mögen mit dem Band einen recht guten Überblick über die "großen Weine des vergangenen Jahrhunderts" erhalten, Kenner jedoch, so kann man dieser Rezension entnehmen, werden eher enttäuscht sein.
In seiner Sammelrezension bespricht Gero von Randow die folgenden drei Weinbücher:
1) Mario Scheuermann: "Die großen Weine des Jahrhunderts"
Ein "Handbuch der Wonnen", Begleiter für das Weinjahr 1999, in dem der Autor mit wunderbaren Beschreibungen von Geschmackssensationen verdeutlicht, dass Weingenuss Kontaktaufnahme mit der Vergangenheit sei.
2) Stuart Pigott: "Göttertrank und Blendwerk"
Der Brite liebt Weine, und wenn sie ihn enttäuschen, wird er sehr böse, meint der Rezensent. So bietet Pigott hier eine Reise durch französische Weingüter, deren PR-Getue ihm ebenso auf die Nerven geht wie durch Mostkonzentration "aufgepumpte" Weine, die jede Finesse und Eigenheit dadurch verlieren. Nur der Burgunder, ach...
3) James E.Wilson: "Terroir"
Ein texanischer Geologe und Ölprospektor hat sich die Böden angesehen, auf denen in Frankreich der Wein wächst; detailfreudig und weingartenverliebt bietet er dem Leser neben intensiven Beschreibungen von Bodenqualitäten instruktive Diagramme, Karten und Glossare: das zur Zeit "abgedrehteste Weinbuch", findet der Rezensent.
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