Als wirtschaftliche und politische Macht hat sich China längst etabliert, von den kulturellen und intellektuellen Voraussetzungen seines Aufstiegs aber ist nur selten die Rede. Seitdem Partei- und Staatschef Xi Jinping die Widersprüche zwischen Kapitalismus und Kommunismus auf die Spitze treibt und offensiv das Programm einer "Großen Wiedergeburt der Nation" betreibt, wirkt sich dieser blinde Fleck besonders fatal aus. Mark Siemons berichtete neun Jahre für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus Peking und hat erlebt, wie sich dort ein neues Selbstverständnis entwickelt, das mit unseren vertrauten Kategorien nicht mehr zu fassen ist. Das neue China ist auch eine Herausforderung des Denkens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2017
Burkhard Müller lässt sich von Mark Siemons China erklären. Dass der Autor all die Verwirrung bestehen lässt, die den Westler im Land des Drachen beschleicht, gefällt dem Rezensenten gut. Gut auch, dass der Autor die chinesische Sprache beherrscht, findet Müller. Über die Verbindung von Wirtschaft und Politik, die leninistischen Züge des Herrschaftssystems und das Nebeneinander von Neuem und Uraltem in China vermag ihm Siemons Spannendes zu berichten. Am besten findet Müller jedoch die zweite Hälfte, in der der Autor reportagehaft den "neuen" Alltag einfängt. Schnelles Urteilen über China, das lernt Müller hier, ist wenig sinnvoll.
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