Evan Osnos

Große Ambitionen

Chinas grenzenloser Traum
Cover: Große Ambitionen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424834
Gebunden, 533 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Laura Su Bischoff. 16. Mai 1976. Unter Lebensgefahr entfernt sich ein angesehener junger Offizier von der Truppe und wagt die Flucht über das Südchinesische Meer - doch er möchte sich nicht, wie so viele andere, aus der Volksrepublik China absetzen. Er will weg aus Taiwan. Lin Zhengyi ist davon überzeugt, ihm stehe auf dem Festland eine goldene Zukunft bevor. Die Geschichte gab ihm recht: Zhengyi profitierte vom rasanten Aufstieg Chinas und wurde zu einem weltbekannten Ökonomen. Erfolgsgeschichten wie diese sind aber nur eine Seite der Medaille. Wie in kaum einem anderen Teil der Erde prallen in China heute Erwartungen, Hoffnungen und Enttäuschungen aufeinander. Evan Osnos, der acht Jahre als Korrespondent für amerikanische Zeitungen und Magazine aus dem Reich der Mitte berichtete, schildert diese Konflikte. Er sprach mit Glücksrittern auf der Jagd nach Reichtum, begleitete Künstler wie Ai Weiwei oder den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und wurde Zeuge einer neuen Spiritualität, die trotz der Herrschaft der Kommunistischen Partei gedeiht. Die vorsichtige Öffnung des Landes in den neunziger Jahren, so sein Fazit, hat eine Sehnsucht nach Wohlstand, Wahrheit und Glaube ausgelöst, die kaum noch zu kontrollieren ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2015

Volker Stanzel erfährt aus dem Buch des langjährigen China-Korrespondenten Evan Osnos, worum es in der vielschichtigen Entwicklung Chinas wirklich geht: um die Menschen, nicht um die Partei, nicht um Zahlen oder Außenpolitik. Die vom Autor über Jahre hinweg begleiteten und im Buch plastisch vorgestellten Künstler, Dissidenten und Verlierer offenbaren laut Stanzel die Träume und Hoffnungen, aber auch Phänomene wie die Religiosität oder die Korruption einer höchst pluralistischen Gesellschaft. Über diese Vielfalt kann Stanzel nur staunen. Die Stärke des Buches liegt dabei in seinen knappen Assoziationen, einem "fesselnden", springenden Plauderton, der seinem Gegenstand entspricht, wie Stanzel findet. Ein besseres Lektorat hätte er dem Band allerdings gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2015

Die "stattliche Bibliothek der China-Berichterstattung" hat Zuwachs erhalten, berichtet der rezensierende Konstanzer Globalhistoriker Jürgen Osterhammel. Der US-amerikanische Journalist Evan Osnos hat das Land bereist und Geschichten gesammelt, die ein bizarres Bild einer Nation zeichnen, die sich mit Kind und Kegel zur Suche nach dem Glück aufgemacht hat, immer unter Kuratel der Parteispitze, die auch erreichten Erfolg im Handumdrehen zunichte machen kann, fasst der Rezensent zusammen. Analytisch bleibt das Buch etwas mau, und die Anekdoten hätten in etwas nachvollziehbarere Form gebracht werden können, findet Osterhammel, aber dennoch wird in diesem Buch die "strukturelle Nervosität" des Landes spürbar sowie seine Fragilität bei aller Stärke: "China ist entzündlich", so der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.06.2015

Marko Martin lobt Evan Osnos Perspektive auf China als neu und anregend, da sie den Kulturrelativismus nicht befeuert und stattdessen das Gegenläufige in und an China betont. Das soziale, das wirtschaftliche und das ideologische Gefälle etwa zwischen den Provinzen oder das Riskante an der Modernisierung durch die Kombination aus starkem Staat und Marktwirtschaft. Dem Autor attestiert Martin ausreichend Wirklichkeitsneugier, um dem Insidersprech und ideologischen Scharmützeln aus dem Weg zu gehen.

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