Bernd Ziesemer

Maos deutscher Topagent

Wie China die Bundesrepublik eroberte
Cover: Maos deutscher Topagent
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2023
ISBN 9783593517957
Gebunden, 248 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Wer den Einfluss verstehen will, den China auf die deutsche Wirtschaft ausübt, muss den Namen Gerhard Ludwig Flatow kennen. Er war wohlhabender Stahldirektor und Kommunist, Abenteurer und Lobbyist, sprach fließend chinesisch und wurde in den Fünfziger und Sechziger Jahren zum wichtigsten Agenten der Chinesen in Deutschland. Dabei hat er es verstanden, völlig unbekannt zu bleiben - bis der Wirtschaftspublizist und Chinakenner Bernd Ziesemer die Fäden zusammenführte und entdeckte, dass ein Maoist und ein Industrieller ein und dieselbe Person waren. Nach jahrelanger Recherche, Auswertung von Geheimdienst- und persönlichen Dokumenten und vielen Gesprächen präsentiert Ziesemer hier die spektakuläre Geschichte einer einzigartigen Persönlichkeit, in der sich zugleich eine ganze Epoche deutsch-chinesischer Beziehungen bis heute spiegelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2023

Das Buch liest sich wie eine Räuberpistole, freut sich Rezensent Mark Fehr, mit dem einzigen Unterschied, dass die Geschichte wahr ist: Mehrfach betont Fehr, wie penibel der Wirtschaftsjournalist Bernd Ziesemer die einzelnen Etappen des abenteuerlichen Lebens von Gerhard Flatow dokumentiert hat. Und dann kriegt er es noch hin, seine Geschichte kurzweilig wie einen Filmplot zu erzählen: von der Flucht des KPD-Sympathisanten Flatow vor den Nazis nach Schanghai, über seine wirtschaftlichen Erfolge in China, die Geheimdiensthaft unter dem frühen Mao bis hin zum Einflussagenten für die chinesischen Kommunisten in der frühen Bundesrepublik. Erstaunlich, wie Flatow es hinkriegte, als Unternehmer in der Bundesrepublik zugleich vor konservativen Wirtschaftsvereinen Reden zu halten und Kurse für die Jugend der KPD abzuhalten, die er mit begründet hatte. Vor dem Hintergrund der aktuellen chinesischen Einflusspolitik kann Fehr die Lektüre dieses Buchs nur nachdrücklich empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.09.2023

Gerhard Flatow kennt heute kaum noch jemand, das dürfte sich mit dem Buch, das Bernd Ziesemer mit ihm als Protagonisten geschrieben hat, aber hoffentlich ändern, meint Rezensent Paul Stänner. Das Buch ist Biografie und spannender Wirtschafts- und Politkrimi zugleich, hält Stänner fest, er lernt, dass Flatow jung zum Kommunisten wird, der als "Halbjude" 1934 nach Shanghai flieht und dort einen Industriellen kennenlernt, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Das ist der Auftakt für seine geschäftsmännische Tätigkeit, die ihn steinreich macht, ihn aber dennoch Kommunist bleiben lässt, auch wenn er zwischenzeitlich sogar in einem Lager interniert ist. Er bleibt Mao-Verehrer und wird für ihn ein großer Einfluss in Deutschland, der Figuren wie Rudolf Scharping vorwegnimmt, die sich mit dem "Loblied Penkings" nicht nur in die eigene Tasche wirtschaften, sondern auch die politische und wirtschaftliche Dominanz Chinas erheblich befeuern. Ein Buch, das nicht nur als Biografie, sondern auch als Warnung enorm wichtig ist, schließt der überzeugte Kritiker.

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