Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. Die Geschichte des tschechischen Schuhfabrikanten Jan Antonín Baťa, der - vor den Nationalsozialisten geflüchtet, von den Kommunisten verunglimpft - in Brasilien seine unternehmerischen Ideale weiterzuleben versucht, indem er dort mitten im Urwald neue Städte gründet und Fabriken erbaut. Markéta Pilátová begibt sich auf die Spuren Baťas und seiner Familie und lässt sie vom Kampf gegen die widerspenstige tropische Natur erzählen, vom Pioniergeist, mit dem etwas Neues geschaffen wird, aber auch von der Sehnsucht nach dem alten Europa und der Suche nach der historischen Gerechtigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2021
Rezensent Martin Lhotzky ist sich nicht ganz sicher, ob er nun einen Roman oder doch eher eine Biografie über den mährischen Schuhfabrikanten Jan Antonin Bat'a gelesen hat. Denn die Hispanistin Marketa Pilatova hat für die Rekonstruktion der Geschichte der tschechoslowakischen Familie Bat'a nicht nur Dokumente und Fotoalben gesichtet, sondern auch mit den Enkelkindern Jan Antonins gesprochen, informiert der Kritiker. In dem vom Verlag allerdings als Roman ausgegebenen Buch erfährt Lhotzky von der Flucht der Familie nach Brasilien kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, von Jan Antonins Bemühungen, jüdische Mitarbeiter vor dem Krieg aus Mitteleuropa wegzubringen, aber auch von dessen Prahlerei mit diesen Taten. Wenn es im letzten Viertel des Buches vor allem anhand von Briefzitaten nur noch um den Versuch der Rehabilitierung der enteigneten Bat'as geht, vermisst der Rezensent das Literarische des Textes schließlich völlig. Die gelungene Übersetzung durch Sophia Marzolff hebt er allerdings lobend hervor.
Rezensentin Beatrix Novy findet die Geschichte der Schusterdynastie der Bat'as aus Mähren spannend und lesenswert, auch wenn Marketa Pilatovas Ansatz, sie aus verschiedenen Perspektiven von Mitgliedern der Familie Bat'a zu erzählen, sie nicht restlos überzeugt. Die unterschiedlichen Sprechweisen bleiben "blasses Kolorit", kritisiert sie. Allerdings vermitteln die "halbfiktionalen" Personen im Text ihr den Geist der Zeit, von Emigration und Kolonialismus und ausdauernder Unternehmerenergie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.03.2020
Olga Hochweis berichtet von der engen Verflochtenheit der Autorin Marketa Pilatova mit ihrem Gegenstand, der Familiengeschichte der tschechischen Schuhdynastie Bata. Dass es der Autorin wie der Familie Bata um historische Wahrheit geht bei der Aufarbeitung der Firmen- und Familiengeschichte, erwähnt Hochweis auch. Dazu passt das Vielstimmige, Perspektivreiche der Erzählung, findet die Rezensentin. Dass ein Plot im engeren Sinne fehlt und die Autorin achronologisch und schlaglichtartig vorgeht und sogar einer ganzen Schuhfabrik im brasilianischen Dschungel das Wort erteilt, scheint Hochweis indes nicht zu stören. Das Familienporträt findet sie dicht, und es profitiert von der intimen Kenntnis der Autorin, die bei aller Zuneigung zu ihrem Gegenstand auch vor der Darstellung von Ambivalenzen nicht zurückschreckt, wie Hochweis erläutert.
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