Tatiana Salem Levy

Vista Chinesa

Roman
Cover: Vista Chinesa
Secession Verlag für Literatur, Basel 2022
ISBN 9783907336113
Gebunden, 128 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Marianne Gareis. Rio de Janeiro, 2014. Die Fußballweltmeisterschaft wird in Brasilien ausgetragen, die Olympischen Spiele 2016 werden folgen. Eine Atmosphäre voller Hoffnung und Euphorieprägt die Stadt. Júlia, eine junge Architektin, ist beauftragt, ein Projekt für das große Sportereignis zu realisieren. Kurz vor ihrer Präsentation im Rathaus läuft die begeisterte Joggerin zum berühmten Aussichtspunkt Vista Chinesa. Plötzlich spürt sie eine Waffe am Kopf und wird in die Tiefen des Regenwaldes gezwungen. Noch während der Mann sie vergewaltigt,rechnet sie mit ihrem Tod. Doch sie überlebt. Dem persönlichen Schmerz stehen die korrupten Polizeibeamten gegenüber, denen weniger an der seelischen Verfassung der jungen Frau gelegen ist als am Erfolg ihrer Fahndung. Júlia entscheidet, der Polizei nicht mehr zur Verfügung zu stehen. ahrespäter ist sie Mutter zweier Kinder. Sie spürt, sie muss ihnen erzählen, was ihr widerfahren ist, und vertraut sich ihrer Freundin Tatiana Salem Levy an. Gemeinsam machen sich die beiden Frauen an die Arbeit.Entstanden ist ein Buch, das mit äußerstem Feingefühl und so detailliert wie behutsamdie wahre Begebenheit einer Vergewaltigung schildert. Vor dem Hintergrund des von Korruption geprägten Brasiliens wird die politische Dimension der Geschehnisse sichtbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2022

Rezensent Paul Ingendaay lernt bei Tatiana Salem Levy Schritt für Schritt, was es heißt, sich seiner Vergangenheit zu stellen, um deren Auswirkungen auf die Gegenwart in den Griff zu bekommen. Für die Hauptfigur im Text, eine Frau, die ihren Kindern in einem Brief von ihrer Jahre zurückliegenden Vergewaltigung erzählt, wie auch für Ingendaay keine leichte Erfahrung. Auf das Schlucken beim Lesen folgt beim Rezensenten allerdings unmittelbar die Bewunderung für die Autorin, die den drastischen Stoff "nicht ausbeutet", wie Ingendaay meint, sondern ihn umsichtig auf unterschiedlichen Zeitebenen arrangiert und analysiert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.03.2022

Carsten Hueck ist erschüttert und fasziniert von Tatiana Salem Levys Buch. Die Anlage des Textes als Brief einer Mutter an ihre Kinder, als Protokoll einer Vergewaltigung und Gesellschaftsbild, findet er überzeugend. Wie Levy erzählt in Wiederholungsschleifen, die Zeit dehnend, die Handlung drastisch reduzierend, scheint ihm das Unerhörte der Gewalt und das folgende immerwährende Trauma einzufangen. Dass Literatur es vermag, das Unsagbare zu sagen, dafür ist der Text laut Hueck ein leuchtendes Beispiel.

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