Wenn Daniel Kehlmann attestiert wird, er schreibe klug, charmant und fast unverschämt unterhaltsam, so ist das in Deutschland ein Lob mit Haken, hinter dem Skepsis lauert, ob man "ganz große Literatur" nennen könne, was derart angenehm zu lesen sei. Keineswegs bestreitet Gasser diese Kehlmannsche Leichtigkeit, wohl aber die Berechtigung der skeptischen Folgerung. Entscheidend ist, was dahinter oder besser darunter sichtbar werde: "Bei keinem anderen Autor der deutschen Gegenwartsliteratur wird so viel, so quälend ungern und oft drastisch gestorben."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2010
Was der Autor von seinem Gegenstand behauptet, dem Werk Daniel Kehlmanns, kann Heinrich Detering auch von diesem Buch sagen: Es macht Spaß. Für Detering liegt das an der Klugheit und lässigen Eleganz, mit der Markus Gasser uns das Geheimnis des Schriftstellers Kehlmann in diesem auch auf unveröffentlichtes Material zurückgreifenden Essay offenlegt. Detering verrät es schon mal: es ist die Austauschbarkeit von Wirklichkeit und Fiktion bei Kehlmann, die Reiz und Ruhm begründet. Wie Gasser dieses Bauprinzip anhand von Kehlmanns Romanen und Erzählungen en detail und mit Sinn für Nebenmotive dechiffriert und als ins Erzählerische übertragene experimentelle Theologie deutet, dem Leser darüber hinaus literarische Spuren von Henry James bis Bob Dylan aufdeckt, das ist für Detering unterhaltsam und Ausdruck großer Lesekunst.
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