Harold Bloom

Genius

Die hundert bedeutendsten Autoren der Weltliteratur
Cover: Genius
Albrecht Knaus Verlag, München 2004
ISBN 9783813502435
Gebunden, 800 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Harold Bloom präsentiert seine 100 größten Schriftsteller aus 2500 Jahren Weltliteratur: Der Genius spiegelt das Göttliche im Menschen. Er inspiriert Dichter und Denker aller Epochen zu ihren größten Werken und ist Flamme des kreativen Schaffens. Diese Schöpferkraft vereint alle Weltliteraten. Sie ist Ursache für die kreativen "Wahlverwandtschaften" und für ein unsichtbares, unbewusstes Beziehungsgeflecht zwischen den Größten der Großen. Genau dieses Phänomen macht Harold Bloom zum Ordnungsprinzip seines neuen Buches. Er versucht, dieses geheime Netz sichtbar werden zu lassen. In zehn Kapiteln präsentiert Bloom jeweils zehn Literaten, Männer wie Frauen, die mit ihren Werken große Visionen geschaffen, tiefgreifende Erkenntnisse in die menschliche Natur ermöglicht und sich wesentlich beeinflusst haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2005

Schlichtweg irreführend findet der Rezensent Hansjörg Graf den deutschen Untertitel "Die hundert bedeutendsten Autoren der Weltliteratur". Denn der Literaturwissenschaftler Harold Bloom hege nicht im geringsten die Absicht, in kanonischer Manier die "obersten einhundert" der Weltliteratur zu präsentieren, sondern über jene zu schreiben, wie er selbst erkläre, "über die ich schreiben wollte". Und dies tue Bloom auf höchst eigenwillige Weise, in dem er seiner Studie die zehn Sefiroth der jüdischen Kabbala als Organisationsprinzip zugrundelege, und jeden behandelten Dichter einem dieser Sefiroth zuordne. Zweierlei hat der Rezensent in Blooms streckenweise undurchsichtiger Vorgehensweise ausgemacht: Zum einen seinen "lebensphilosophischen" Standpunkt, der dem Leser nahelegt, sich der "schöpferischen Seinsweise" der Großen zu nähern und als Mittel der Selbsterkenntnis zu gebrauchen, und zum anderen seine Neigung, ein Netz von - teilweise zunächst obskur anmutenden - "Wahlverwandschaften" in sein Literaturpanorama einzuspinnen. Blooms Eigenwilligkeit könne durchaus für Widerspruchslust und gar Ärgernis beim Leser sorgen, doch gelinge es ihm, wohl auch aufgrund seiner "stupenden Belesenheit", stets anregend zu bleiben, so das beeindruckte Fazit des Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Um dieses "ungewöhnliche" Buch genießen zu können, muss man sich zunächst einmal in Gelassenheit ob der doch sehr angloamerikanisch geprägten Auswahl üben, empfiehlt Martin Krumbholz. Aber der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom habe ja keine Rangliste, sondern nur ein "Mosaik schöpferischer Geister" der Literatur entwerfen wollen.  Deshalb dürfen Hölderlin, Kleist oder Heine ruhig fehlen, meint der Rezensent, die "Brillanz" und die "Verve", mit der das Buch geschrieben ist, entschädigten für den anfangs gekränkten Nationalstolz. In einer an kabbalistische Prinzipien angelegten, "eigenwilligen" Ordnung fasst Bloom jeweils fünf Dichter zu so genannten "Lustern" (so viel wie: Glanz, Leuchtkraft) zusammen. Innerhalb dieser Blöcke knüpft er mit "ungemeiner Kenntnis" und "intellektuellem Schwung" Verbindungen, die Krumbholz so noch nie aufgefallen sind, etwa Goethes Einfluss auf Kafka oder Cervantes' Wirkung auf Stendhal. Als "exzellentes" Beispiel in diesem Sinne nennt er das Kapitel über die "tragikomischen" Dramatiker Moliere, Ibsen, Tschechow, Wilde und Pirandello. Das Resümee des Rezensenten: "nicht immer frei von Ressentiments, aber mitreißend und verführerisch".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004

Daniel Kehlmann hat das ideale Weihnachtsgeschenk aufgespürt für alle, "denen Weite und Offenheit der Kunst Unbehagen bereiten": Es ist Harold Blooms neuester Kanon der Weltliteratur. Bloom, der einst ein bedeutender Literaturwissenschaftler war, doch seit Jahren nur noch dicke Wälzer wie diesen schreibt und dem konservativen Leser als Fluchtpunkt in der kulturellen Einöde der Gegenwart in den Schoß legt; Bloom, der schon immer große Worte machte und diesmal ein Ordnungsprinzip samt Terminologie aus der Kabbala entlehnt hat, um die von ihm verlesenen genialen Geister (alle tot) einzusortieren. Große Literatur, wie Bloom sie sieht: ein heiliger Kampf gegen "Tod, Teufel und den Untergang der Kultur". Und er selber, urteilt Kehlmann, steht davor und verteilt Noten. Humor, Spiel, Vergnügen? Nichts da! Gegenwartsliteratur? Bei Gott und den Musen, nein! Doch ein Trost für alle Kleingeister: "Die Dichtung, so verspricht ihnen Bloom, ist nämlich nur scheinbar unendlich, sie hat klare Grenzen, ist bereits sicher untergegangen, und für knapp fünfzig Euro hat man sie sicher im Griff."

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