Das einzige, was Heinz Fritz mit Gewissheit von seiner Mutter weiß, sind die Stationen ihrer ersten langen Reise: Oslo - Kopenhagen - Berlin - München - Hohenems. Verbürgt ist sie durch ein Schriftstück, das er sein Leben lang bei sich trägt: ein Dokument des SS-Lebensborn. Die Norwegerin hat sich mit dem Feind eingelassen. Und sie hat dem Falschen vertraut. Denn als sie in Österreich ankommt, wird sie nicht willkommen geheißen von der Familie ihres Verlobten, sondern abgewiesen. Zurück kann sie auch nicht, denn in Norwegen gilt sie nun als Kollaborateurin … In einer großen, kompromisslosen Selbstbefragung versucht der Erzähler des Romans - ihr Sohn -, die Rätsel seiner Herkunft zu lösen, die Wahrheit über seine Eltern freizulegen. Es ist eine Spurensuche, an deren Ende sich noch einmal alles dreht. Und eine zweite, "hellere" Version der düsteren Geschichte aufscheint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2021
Hymnisch bespricht Rezensent Paul Jandl den neuen Roman von Alois Hotschnig, der ihn in einen "perspektivischen Zauberkasten" blicken lässt. Angelehnt an die Geschichte des Schauspielers Heinz Fitz erzählt der österreichische Schriftsteller aus der Perspektive des Jungen, Sohn einer norwegischen, an Epilepsie erkrankten Schauspielerin und eines deutschen Wehrmachtssoldaten, den er nur zweimal im Leben zu Gesicht bekommt. Geführt von Hotschnigs lakonischer Sprache taucht der Kritiker ein in den "Orkus der Geschichte", liest von NS-Vergangenheit und Lebensborn-Heimen ebenso wie vom Leiden des Jungen unter der Krankheit der Mutter. Hotschnigs Einfühlungsvermögen verschlägt Jandl einmal mehr den Atem.
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