Markus Köhle

Jammern auf hohem Niveau

Ein Barhocker-Oratorium
Cover: Jammern auf hohem Niveau
Sonderzahl Verlag, Wien 2017
ISBN 9783854494843
Kartoniert, 160 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Wenn ein dichtender Kellner mit Liebeskummer, ein gescheiterter Privatgelehrter, eine Radiomacherin, für die selbst das Prekariat ein Aufstieg wäre, ein vereinsamter Wirtschaftsnomade und ein ausgemustertes Politikerdouble einander abends an der Bar begegnen, verspricht das vor allem eines: Jammern auf hohem Niveau. Markus Köhle folgt seinen Protagonist_innen in die Untiefen der Bierpipeline, jener Bar, wo die großen Fragen des Lebens verhandelt werden - bis an den Punkt, an dem Ironie zweifellos lässig, doch auch leicht bitter, Reflektiertheit souverän, doch mitunter recht einsam und "Potenzial" vor allem wie ein Synonym für all das klingt, was im besten Fall noch vor einem liegt. Doch wer jammert, hat längst nicht aufgegeben. Immerhin zählt man sich selbst noch nicht zu den jenen Gestalten, die nur ihrem "Prostpflaster" zusprechen und die Theke mit Biergedichten übersäen. Um erst gar nicht auf diese Bahn zu geraten, tun sich die Jammernden bei ihrer Suche nach dem Glück zusammen und entwickeln einen genialen Plan, um den geballten Widernissen des Alltags mit vereinten Kräften zu trotzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2018

"Ein Barhocker-Oratorium" nennt sich Markus Köhlers neustes Buch und das trifft es ganz gut, erklärt Rezensent Oliver Jungen. Eine Gruppe von Freunden, versammelt um den Dichter und Barkeeper Markus, jeder auf seinem Höckerchen, jeder von ihnen mit seinem eigenen Sorgenpäckchen, dessen Gewicht das Bier leichter zu ertragen hilft, trifft sich zum Jammern. Der Reihe nach werden die Päckchen ausgepackt, offengelegt ,darüber geheult und gejammert, und gewitzelt - immer melodisch, immer im Takt, immer unterhaltsam, "poetisch, ehrlich, weise", lobt Jungen. Besonders gegen Ende wird es für ihn spannend, wenn die Stammtischgespräche immer stärker in einen gefährlichen und allzu vertrauten Populismus abdriften, den die Jammernden "auf hohem Niveau" vielleicht selbst nicht von sich erwartet hätten, so der (bier-)selige Rezensent.
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