Marlene Streeruwitz

Nachwelt

Ein Reisebericht; Roman
Cover: Nachwelt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN 9783100744241
gebunden, 398 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Die Wienerin Margarethe Doblinger interviewt in Los Angeles für eine Biographie die Ehemänner, Freunde und Bekannten von Anna Mahler, der einzigen Tochter von Gustav und Alma Mahler. Viele von ihnen waren - wie Anna selbst - Emigranten der Nazi-Zeit. Bei ihren Recherchen stößt Margarethe auf das verborgene Wüten des Jahrhunderts - und mitten zwischen den fremden Schicksalen auf sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999

Ulrich Weinzierl skizziert in seiner Kritik, wie Streeruwitz zunächst selbst eine Biographie Anna Mahlers, der Tochter von Gustav Mahler und Alma Mahler-Werfels schreiben wollte und wie sie vom biografischen Unterfangen als unmöglich abkam. Die Interviews mit überlebenden deutsch-österreichischen Emigranten, die sie im künstlichen Kalifornien führte, mischte sie nun in eine Fiktion. Die Geschichte der Margarethe Doblinger, ihres alter egos, und die authentischen Interviews füge Streeruwitz "geschickt zusammen und ineinander" - "ein Buch über den Verlust schlechthin". Weinzierl lobt "Nachwelt" als den besten Roman der österreichischen Autorin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.1999

In einer ausführlichen Kritik äußert sich Eva Leipprand sehr beeindruckt über diesen neuen Roman von Marlene Streeruwitz. Sie ist fasziniert von der Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit. Die Romanheldin begibt sich in Los Angeles auf die Spuren der Mahler-Tochter Anna, die ja tatsächlich existiert - und die Interviews mit Zeitgenossen aus der deutschen Emigration, die Streeruwitz in diese fiktiven Geschichte aufnimmt, sind authentisch. Die Autorin hat sie selbst geführt. Die Romanheldin gibt ihr Forschungsprojekt in der Fremde auf, löst sich aber auch von der großen Liebe, ohne die sie nicht leben zu können glaubte: Das "Ausbrechen der Frau aus der Idylle" sei auch hier das Thema der Autorin. Ein "klug konstruiertes Buch" in sehr "eigenwilliger Syntax", schließt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999

Der unverdeckte Blick, das Ausgeliefertsein an Gefühle im Alleinsein, bildet die Substanz des Romans "Nachwelt", meint Katharina Döbler: Margarethe ist unerwartet allein nach Amerika gereist und stellt nun fest, wie massiv durch das ungewohnte Alleinsein ungefilterte Einflüsse und Eindrücke auf sie einstürmen. Zwar verlange diese Buch ein Sichhineinlesen, da Streeruwitz` Sprache oft atemlos, assoziativ und ungeschmeidig sei. Allerdings sei der Autorin das Kunststück gelungen, Alltägliches zu erzählen, ohne langweilig zu sein. Im Gegenteil: Streeruwitz habe ein Buch geschrieben "...auf das wir schon lange gewartet haben".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999

Ursula März bespricht Streeruwitz` neuen Roman fast ein wenig zu gut. So ausführlich und genau stellt sie die beiden Protagonistinnen dar, so einfühlsam führt sie in Streeruwitz` literarische Welt ein und reflektiert sie so klug, dass man den Eindruck bekommt, den Roman schon zu kennen. Streeruwitz` Erzählung ist ein literarisches Doppelporträt zweier Frauen, die biografisch fast alles trennt, die allerdings die grundsätzliche weibliche Neigung zum Unglück und zum verkorksten Leben eint, so März: Anna Mahler, der Tochter von Gustav und Alma Mahler, spätere Werfel und der jungen Österreicherin Margarethe Doblinger. Streeruwitz gelingt es dabei "vortrefflich", wie März meint, "die täglichen, die durchschnittlichen weiblichen Miseren vorzuführen". Das große Manko dieser Erzählung ist nach März` Meinung allerdings, dass es Streeruwitz nicht gelingt, den Psychojargon der gebildeten Mittelschicht hinter sich zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999

Franz Haas hält "Nachwelt" für den besten der drei bisher erschienenen Romane von Marlene Steeruwitz. Die Autorin habe die Figuren in ihrem Roman mit Schärfe gezeichnet, und das, obwohl die Lebensgeschichten der Anna Mahler und die der Margarethe sich oftmals sogar innerhalb eines Satzes miteinander vermischen. Haas räumt allerdings ein, dass Streeruwitz es dem Leser mit der von ihr bevorzugten stammelnden Sprache - die er übrigens für ein literarisches Geschlechtsmerkmal heutiger deutschsprachiger Autorinnen hält - nicht immer leicht macht. Diese Sprache zu entwirren, werde im Falle von "Nachwelt" aber durchaus belohnt: "ein vorzüglicher Roman", lautet denn auch das Fazit des Rezensenten.

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