Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Leopold. Der Mensch, geknechtet von seiner gewalttätigen Natur, muss sich einem permanenten Regime der Kultur unterziehen, um nicht in anarchischen Zuständen zu ersticken. Marshall Sahlins stellt diese Gewissheit in Frage und kommt zu der Einsicht, dass dem Nachdenken über die Natur des Menschen von Beginn an ein fundamentales Missverständnis zugrunde liegt.
Rezensent Moritz Scheper schätzt den amerikanischen Anthropologen Marschall Sahlins für seine provokanten Thesen und den Mut, immer wieder die eigenen Fachgrenzen zu verlassen. Entsprechend erfreut ist der Kritiker über diesen nun auf Deutsch erschienenen Essay, in dem Sahlins den Gegensatz von Natur und Kultur und die damit verknüpfte "wesenhafte Schlechtigkeit" des Menschen in den Blick nimmt und in Rückgriff auf Autoren wie Thomas von Aquin, Hobbes, Freud und vielen anderen zu sezieren versucht. Sahlins belässt es aber keineswegs bei einem philosophischen Streifzug vom Hellenismus bis in die Gegenwart, sondern er begibt sich auch auf die Felder der Kosmologie, Physiologie und Biologie, fährt der Rezensent fort, der mit großem Interesse liest, wie Sahlins die naturgegebene Boshaftigkeit des Menschen als westliche Idee entlarvt. Dass der Autor bisweilen mehr auf Polemik als auf schlüssige Argumentation setzt, geht für Scheper in Ordnung.
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