Bruno Latour

Wir sind nie modern gewesen

Versuch einer symmetrischen Anthropologie
Cover: Wir sind nie modern gewesen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783518294611
Kartoniert, 205 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Gustav Roßler. Am Beginn der modernen Naturwissenschaft steht die strikte Trennung von Natur und Gesellschaft, von "natürlichen" und "gesellschaftlichen" Instanzen. Bruno Latour optiert in seinem Klassiker der modernen Soziologie dafür, sich diese Trennung etwas genauer anzusehen. Seine These lautet: Je strikter und gründlicher diese Trennung in der Moderne vollzogen wurde, um so besser konnten sich zwischen den getrennten Bereichen "Quasiobjekte" ausbreiten, die sowohl natürlich als auch gesellschaftlich determiniert sind. Diese hybriden "Quasiobjekte", welche die Moderne ausgeblendet hat, gilt es anzuerkennen. Nur dann nämlich kann das zweifelhaft gewordene Credo der Moderne, daß ökonomische Rationalität, wissenschaftliche Wahrheit und Technik bereits Garanten eines sinnvollen Fortschritts sind, verabschiedet werden, ohne gleich in den Katzenjammer der Postmoderne zu verfallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2022

Rezensent Helmut Mayer kann sich nicht ganz mitreißen lassen von Bruno Latours und Nikolaj Schultz' Entwurf einer "ökologischen Klasse"; das heißt der politischen Mehrheit einer Gemeinschaft, die nicht mehr die Produktion, sondern die Erhaltung des menschlichen Lebensraums auf der Erde im Blick hat und politisch anstrebt, wie Mayer erklärt. So findet er den Begriff der Klasse für die Beschreibung einer solchen Hegemonie im Grunde unpassend, auch wenn es für Latours Fähigkeit spricht, sich vermeintlich verstaubtes Werkzeug zu Nutze zu machen. Und auch, wenn die Abwendung von der modernen Unterscheidung zwischen einem menschengemachten und einem natürlichen, wissenschaftlich erfassbaren Bereich, die der kürzlich verstorbene Soziologe Latour zeitlebens vertrat, nur richtig sei, so scheinen dem Kritiker die Vorstellungen einer politischen Ökologie eher als "mitunter rührende Versuche" als handfest. Nichtsdestotrotz schätzt Mayer die grundsätzlichen Überlegungen als Erinnerung daran, dass der Klimawandel wohl kaum anhand einiger "Stellschrauben" zu stoppen sei.
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