Der Untergang der Sowjetunion verlief im welthistorischen Vergleich relativ unblutig. Doch er hinterließ ein Erbe, das bis heute fortwirkt. Die wirtschaftliche Arbeitsteilung verschwand ebenso wenig wie die starke ethnische Vermischung innerhalb des Reichsverbands. Und die neu entstehenden Nationalstaaten ließen Minderheitenkonflikte eskalieren, die im imperialen Zusammenhang ruhig gestellt gewesen waren. Doch auch in der Zentrale selbst wirkten imperiale Denkweisen und Institutionen fort. Es wird seitdem in Russland intensiv darum gerungen, wie mit dem imperialen Erbe umzugehen sei und was es für die Gegenwart bedeutet. Martin Aust zeichnet alle diese Probleme und Debatten nach und zeigt, wie wichtig sie sind, um die gegenwärtige Politik Russlands wirklich zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2019
Lesenswert findet Reinhard Veser das Buch des Osteuropa-Historikers Martin Aust zwar nicht unbedingt bis zum Ende, denn der Autor lässt argumentativ nach und verlegt sich schließlich aufs Nacherzählen der jüngsten Geschichte Russlands, wie Veser feststellt. Über weite Strecken überzeugt das Buch den Rezensenten allerdings mit der Analyse des Begriffs Imperium im russischen Kontext, mit nüchterner Schreibe und Bemühung um Verständnis. Über imperiales Erbe, verklärte Alltagserfahrungen russischer Bürger und historische Strukturen klärt Aust den Rezensenten ausgiebig auf. Schwach dagegen, wie Aust das Verhältnis Russlands zu Moldau, Georgien und der Ukraine darstellt, findet Veser.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2019
Victor Mauer hält die Überblicksdarstellung des Bonner Historikers Martin Aust über russische Verhältnisse seit 1991 für dicht und wissenschaftlich informiert. Das öffentliche Gespräch über Russland und vergangene, aber weiter wirksame imperiale Konflikte führt der Autor laut Mauer in seinem Buch anhand von Beispielen wie Transnistrien, Südossetien, Donbas, Abchasien, der Krim und der Weltpolitik nachvollziehbar fort. Dass Putin in alten Strukturen waltet, die bis ins Zarenreich als einer überreguliertern Monarchie zurückgehen, vermag ihm der Autor eindringlich zu erläutern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2019
Renate Nimtz-Köster kann mit dem Buch des Historikers Martin Aust russische Politik von Gorbatschow bis zu Putins vierter Amtszeit nachvollziehen. Wie der Autor das Verständnis der Geschichte als Voraussetzung für ein brauchbares Russland-Verständnis heute darstellt und das Russland seit 1991 als "postimperial" zeichnet, findet die Rezensentin lesenswert und brauchbar für die öffentliche Diskussion hierzulande über Russland.
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