Giorgi Maisuradze, Franziska Thun-Hohenstein

Sonniges Georgien

Figuren des Nationalen im Sowjetimperium
Cover: Sonniges Georgien
Kadmos Kulturverlag, Berlin 2015
ISBN 9783865992772
Kartoniert, 376 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Die Sowjetunion unter Stalin war ein Ort, an dem Terror und Gewalt herrschten, in der öffentlichen Propaganda aber wurde sie zeitgleich als Hort der "Brüderlichkeit" und "Völkerfreundschaft" inszeniert. Die Kulturpolitik jener Jahre zielte auf eine sowjetweite Repräsentation der nationalen Kulturen und die Etablierung einer »multinationalen« Sowjetliteratur bzw. Sowjetkultur. Ungeachtet der ideologischen Gleichschaltung war das Arsenal von Figuren des Nationalen keineswegs für alle gleich, sondern hing von den jeweiligen geschichtlichen und (religions-)kulturellen Traditionen der einzelnen Völker ab. Am Beispiel Georgiens lassen sich kulturelle Phänomene - wie etwa die Kolchis, das georgische Pantheon nationaler Heroen oder die Figur des mittelalterlichen Dichters Šota Rust'aveli - als "Figuren des Nationalen im Sowjetimperium" untersuchen. Georgien ist nicht nur deshalb ein interessantes Beispiel, weil Stalins Heimat in den offiziellen Diskursen viel Aufmerksamkeit erhielt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2015

Rezensent Stephan Wackwitz kann dieses "originelle", unter dem Titel "Sonniges Georgien" von Giorgi Maisuradze und Franziska Thun-Hohenstein herausgegebene Buch nur nachdrücklich empfehlen. Mit großem Interesse liest er in dem wissenschaftlich fundierten Werk, wie georgische Intellektuelle und Künstler versuchten, in Stalins Sowjetunion unter den Vorgaben einer globalen kommunistischen Weltkultur nationales Kulturgut zu erhalten. In den pointierten Textbeispielen erfährt der Kritiker darüber hinaus, wie schwer sich viele georgische Schriftsteller mit Stalins Kompromissformel "sozialistisch im Inhalt, national in der Form" taten: Paolo Iaschwili und Galaktion Tabidze etwa begingen Selbstmord, Grigol Robakidze starb im Exil. Diesem vorbildlich illustrierten Buch wünscht der Rezensent nicht nur viele deutsche Leser, sondern auch eine Übersetzung ins Georgische.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…