In Matthias Claudius, dem umtriebigen Redakteur des berühmten "Wandsbeker Boten", spiegeln sich die widersprüchlichen Strömungen jener Ära zwischen Romantik und Aufklärung: Er war zugleich loyaler Untertan und Kämpfer gegen Fürstenwillkür, frommer Christ und Freimaurer, er schien wenig lebenstüchtig und gehörte doch zu den einflussreichsten und meistgelesenen Autoren des 18. Jahrhunderts. In einer Epoche, in der vor allem Kopf und Vernunft zählten, appellierte er an Herz und Gefühl und schrieb stets mit einer scheinbar kindlichen Naivität. Doch wie viel Kluges und Zeitkritisches in Claudius' vermeintlich naiven Zeilen steckt und warum es sich lohnt, diesen Dichter und sein Werk wiederzuentdecken, zeigt Martin Geck in seiner neuen Biografie - das Porträt eines Unzeitgemäßen und seiner Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2015
Jürgen Kaube freut sich über die Biografie von Martin Geck, die der Musikwissenschaftler über Mathias Claudius geschrieben hat. Farbenreich nennt er sie, und von Symptahie getragen. Dass der Autor den Dichter vor allem als Sekretär, Amateurtheologen, Gärnter, Familienvater, Kolumnist etc. zeigt, und seine ökonomisch prekäre Lage ausleuchtet, vor allem in der Zeit vor der Schriftstellerexistenz, stört den Rezensenten nicht. Die Evergreens des Mathias Claudius klingen ihm auch so im Ohr.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2014
Eine sehr persönliche Biografie des "Abenlied"-Dichters Matthias Claudius legt Martin Geck hier vor, berichtet Rezensent Manfred Koch - und darin liege Wohl und Wehe dieses Buchs. Zum einen verteidigt der Autor den Dichter mit aller Inbrunst vor dem eher geringschätzigen Urteil, das einige Literaturhistoriker über Claudius gefällt haben, und stellt Claudius' epikureisch geprägten, mit Antimodernismen durchsetzten Rückzug aus der Welt ins Gartenidyll mit hoher Sachkenntnis vor. Problematisch wird die Sache allerdings, meint Koch, wenn Geck sich die Ansichten des von ihm heiß geliebten Claudius zuweilen selber aneigne. Dies münde dann in allerlei "törichte Attacken" gegen den germanistischen Betrieb und die Weimarer Klassik, während sich Geck in seinen Kommentaren zu Claudius' Werken zu stark auf privatistische Vereinnahmungen beschränke, statt sie im historischen Kontext zu betrachten. Ein Ansatz, den der Kritiker dann doch für etwas schlicht hält.
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